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Von der Stadt, die niemals schläft, zurück in die Provinz, wo Hase und Esel sich Gute Nacht sagen. Kristian Matsson, besser bekannt unter seinem Künstlernamen The Tallest Man On Earth, hat es vor drei Jahren aus seiner Wahlheimat New York zurück in die heimischen Weiten nach Schweden verschlagen, wo passend zur Pandemie statt hektischem Großstadtleben der Gemüseanbau auf dem hauseigenen Bauernhof auf dem Programm steht.

Wer in dieser Entschleunigung die Inspirationsquelle für „Henry St.“ vermutet, der liegt gehörig daneben. Erst die Rückkehr zum Tourleben 2021 war der ausschlaggebende Katalysator für das sechste Album von The Tallest Man On Earth, auf dem der Schwede weiterhin die eher leisen Nuancen des Folks ausleuchtet.

Dabei könnte man vermuten, dass es auf „Henry St.“ wilder zugehen dürfte, denn statt des ewigen DIY-Konzepts hat The Tallest Man Of Earth seinen musikalischen Kosmos erstmals für ausgewählte Mitmusiker geöffnet und so wurde das Album nicht in Eigenregie, sondern mit einer Band aufgenommen.

Den Songs hört man das nur bedingt an, denn nach wie vor bestreitet The Tallest Man On Earth seine stetige Suche nach der Liebe eher auf leisen Sohlen. Trotzdem gibt es einige Songs auf „Henry St.“, die er in ein größeres Korsett geschnürt und etwas tiefer in die Arrangementkiste gegriffen hat.

Einer davon ist beispielsweise „Slowly Rivers Turn“, dessen Akustikgitarre im Intro schnell Unterstützung von einem tupfenden Bass, leichtem Schlagzeug und hintergründiger Pedal-Stell-Gitarre bekommt, bevor er zum Finale sogar in einem grandioses Saxophon-Solo gipfelt und The Tallest Man On Earth in letzter Sekunde doch noch zu seiner Introvertiertheit zurückfindet.

Produktionstechnisch ebenfalls etwas aufwändiger und popaffiner sind „Looking For Love“ oder „In Your Garden Still“. Der leichtfüßige Frühlingswind steht The Tallest Man On Earth ziemlich gut.

Trotzdem sind diese leichten Aufbrüche auf „Henry St.“ nicht die Regel, und so dürfen sich auch langjährige Fans darüber freuen, dass der Singer/Songwriter zu „Major League“ auch wieder sein heißgeliebtes Banjo auspackt, während er von Randy Newman singt und dabei klingt wie Bob Dylan.

Und eigentlich kann man sich für The Tallest Man On Earth diesen Songtitel nur wünschen. „Henry St.“ beweist einmal mehr, dass er es mit seinem einfühlsamen Folk endlich verdient hätte, auch in Sachen Erfolg über die Mittelgröße hinauszuwachsen und in die Oberliga einzusteigen.

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