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Far Caspian – The Last Remaining Light

Vom Dream-Pop treibt es Far Caspian nun im zweiten Album “The Last Remaining Light” mehr in Richtung Alternative-Rock. Damit statuiert er nicht nur erfolgreich seine neu gewonnene Lebenslust und Selbstsicherheit als Musiker, sondern ein tiefgreifendes Verständnis vom Rock-Genre.

Begonnen hat Far Caspian 2017 als Band: Damals scharrte der Frontmann Joel Johnston seine zwei Kumpels Jof Cabedo und Alessio Scozarro noch unter sich. Zusammen veröffentlichten sie die ersten beiden EPs “The Heights” und “Between Days”, bis er sich 2020 für das Debütalbum “Ways to Get Out” außerhalb des heimischen Leeds zurückzog. Mit einem selbst gebauten Studio behielt Johnston für sein erstes Album die vollste Kontrolle – und so wuchs ein von durchtrieben moderater Erstling heran, der in erster Linie durch verhaltene Intimität punkten konnte.

Für “The Last Remaining Light” bedient sich der Künstler wie schon im Erstling der akustischen Klangpalette, die sich vor allem aus der Alternative-Szene der 90er- und frühen 2000er-Jahre speist. Stetig an den Grenzen des verträumt rauen Shoegaze diskutiert Johnston auf seinem neuen Longplayer die post-jugendliche Übergangsphase. 

Entgegen des getrübten Sounds, der resigniert jegliche musikalische Innovation verwehrt, wankt Far Caspian zwischen Reflexion und Identität, Krankheit und Tod, Familie und Religion. Während in “Ways to Get Out” Flucht von sich und seinem Leben die zentrale Rolle spielt, kann man zwar auf seinem zweiten Werk nicht von Selbstfindung sprechen, sondern eher von Selbstwerdung. 

Unmittelbar nach dem Release 2020 begann Johnston “The Last Remaining Light” zu schreiben, als er von der gewählten Abgeschiedenheit auf dem Land zurück nach Leeds zog: dieses Mal sollte ein kürzeres Album entstehen. Die immerwährende Atmosphäre der Kurzlebigkeit, die im städtischen Treiben wie eisernes Gesetz herrscht, hat schon die Konzeption des Nachfolgers durchgedrungen. 

Und so fliegen die Saiten bei der Lead-Single “Arbitrary Task”, die durch überraschenden Alternative-Rock in Kombination mit Johnston’s schwindend leiser Stimme restlos überzeugen kann. Die Lautstärke spricht für sich, auch wenn es die meisten Songs auf “The Last Remaining Light” einzeln nicht tun.

Thematisch bewegt sich Far Caspian kaum von bereits erkundetem Terrain weg, liefert jedoch ein zackiges, dennoch verträumtes, melancholisches, aber hoffnungsvolles Album. Hier traut sich Johnston ein wenig von seiner introspektiven Singer/Songwriter-Persona weg, denn jetzt muss er seine ermüdende Orientierungslosigkeit niemanden mehr erklären. Far Caspian ist einfach.

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