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Dadi Freyr – I Made An Album

Im März kündigte Daði Freyr an, dass er ein Album macht. Im Mai bestätigte er, dass er immer noch dabei sei. Nun verkündet der gebürtige Isländer, mehr sachlich als stolz: “I Made An Album”.

Interessant hierbei ist, dass dieses in drei Etappen erschien. So hatte man genug Zeit, um zuerst mit der EP “I’m Making An Album 1/3” und zwei Monate später dann mit “I’m Still Making An Album 2/3” vertraut zu werden.

Doch zuerst zur Historie des Musikers: Bekannt wurde er international durch seine Teilnahme am Eurovision Song Contest 2020, die aus bekannten Gründen auf das Folgejahr verschoben wurde. Dort hatte die isländische Rundfunkanstalt ihn ohne jegliche Vorentscheide hingeschickt. Man hatte also große Hoffnungen in seinem Heimatland. Ebenfalls mit dabei: Sein Song “10 Years”.

Dann schlug allerdings der Corona-Hammer zu und wegen einer Erkrankung in seinem Team musste Freyr sich in Quarantäne begeben, anstatt vor der Welt aufzutreten. Jedoch hat es trotz der Einblendung einer Probeaufzeichnung zum vierten Platz gereicht.

Die hohe Platzierung wundert nicht: Mit leicht nerdigem und unprätentiösem Charme groovt Daði Freyr seinen funkigen Elektro-Pop in Richtung Tanzbeinschwung und bleibt dabei doch jederzeit lässig-locker. Dance-Pop in liebenswert.

Diese Ansätze arbeitet Freyr auf “I Made An Album”, seinem englischsprachigem Debüt und seinem zweiten Album nach “& Co.” von 2019, weiter aus und erkundet dabei auch gleich noch viele neue Seiten an seinem eigenen Schaffen.

Da sind natürlich zuerst die funkigen, groovigen, gute Laune verbreitenden Nummern, die man als aufmerksamer ESC-Fan schnell Lieben lernt. “I’m Fine” oder auch “Shut Up” gehen aggressiv in spaßigem Elektro-Funk auf und dienen als Köder für den weiteren Klangkosmos Freyrs.

Der geht nämlich unheimlich in die Tiefe: Plötzlich wirft der Produzent mit Minimal-Beats und Trance-Sphären auf, konstruiert ganze Gefühlswelten und wartet mit sanften, bittersüßen Gesangsmelodien auf.

Man ist geneigt, zweimal hinhören zu wollen, denn Freyr wirkt nun viel melancholischer, angreifbarer und intimer. Alles, was irgendwie mit Elektronik und Pop zu tun hat, verbindet Daði Freyr meisterhaft miteinander und sticht damit direkt ins Herz. New Wave und R&B kommen ebenfalls dazu und machen den Synth-Braten noch viel fetter.

Mal erinnern die Tracks an den aktuellen James Blake, manchmal an einen Klangkünstler wie Schiller, manchmal hat Freyr auch so viel Spaß, dass er nicht nur mit seiner Stimmfarbe, sondern auch mit seinem Augenzwinkern an Comedian Bo Burnham erinnert.

Darauf folgt jedoch ein Song wie “Thank You”, der leise und behaglich anfängt, sich aber immer majestätischer hochschaukelt und mit Freyrs bewusst tiefer Stimme epische Momente herausbrechen lässt.

Der Isländer sagt: “I Made An Album” – wie recht er damit hat, und was für ein Album es geworden ist. Statt den einfachen Weg einer Hitmaschine zu gehen, schwimmt Freyr auf der Erfolgswelle und nutzt den Aufschwung, um zu zeigen, zu welchen Werken er fähig ist. Elektro-Pop ist selten so schön und vielseitig.

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