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Das war vergleichbar mit einer heilsamen Therapie – Sofia Kourtesis im Interview

Sofia Kourtesis ist eine Kämpferin. Die Wahl-Berlinerin mit peruanischen Wurzeln ging für ihr pulsierendes Debütalbum “Madres” durch die Hölle. Getrieben von der Hoffnung, ihre Mutter in Peru vor dem Krebstod retten zu können, versetzt die Electronica-Künstlerin Berge. Der Lohn: In Berlin findet sich tatsächlich ein Arzt, der ihrer Mutter helfen kann. Mit ihrem Debütalbum im Gepäck möchte Sofia nun Danke sagen. Ein Hoch auf die Wissenschaft und ein Hoch auf die Hoffnung! Kurz vor der Veröffentlichung ihres ersten Longplayers trafen wir Sofia Kourtesis zum Interview und plauderten über positive Vibes, den Retter im weißen Kittel und Berlin.

MusikBlog: Sofia, auf deinem Debütalbum gibt es einen Song mit dem Titel “How Music Makes You Feel Better”. Was macht Musik mit dir?

Sofia Kourtesis: Musik ist für mich ein ständiger Begleiter – in guten und in schlechten Zeiten. Wenn es mir nicht so gut geht, dann höre ich Musik mit positiven Vibes, damit es mir wieder besser geht.

MusikBlog: Gibt es bestimmte Genres, in denen du genau das findest, was du brauchst?

Sofia Kourtesis: Nein, ich bin da wirklich sehr offen. Ich komme ja ursprünglich aus Peru. Dort wächst man mit den verschiedensten Musikrichtungen auf. Es kommt dann natürlich immer auf die Stimmung an. Manchmal höre ich klassische, peruanische Folklore und im nächsten Moment ist es dann lateinamerikanischer Soul. Es ist sehr unterschiedlich. Aber wie gesagt, ich bin da überhaupt nicht festgelegt. Wenn mich Musik berührt, dann höre ich gerne zu – egal welches Genre.

MusikBlog: Auf deinem ersten Album “Madres” präsentierst du eine pulsierende Soundmixtur aus House, Techno und Electronica. Was besonders auffällt: Deine Musik wird von einer durchweg positiven Grundstimmung getragen. Passiert das einfach, oder legst du das so fest?

Sofia Kourtesis: Das kommt immer auf die Situation an. Ich behaupte von mir immer, dass ich meine Songs vorher “sehe”. Ich bin also viel unterwegs, treffe viele Leute und das führt dann dazu, dass in diesen Situationen erste Songideen entstehen. Später wandle ich die Eindrücke dann in Musik um. Wer meine Musik kennt, der weiß auch, dass ich sehr autobiografisch zu Werke gehe. Mein Leben und meine Familie spielen eine große Rolle in meinen Liedern. Mir ist es wichtig, all die positiven Gedanken, die man rund um die Themen Familie, Herkunft und Kultur nun mal hat, in meine Musik einzubinden.

MusikBlog: Was ist die größte Herausforderung für dich, wenn es um die Produktion des Ganzen geht?

Sofia Kourtesis: Diesmal war es so, dass ich das erste Mal bewusst gesungen habe. Früher habe ich mich immer hinter meinen Geräten und Maschinen versteckt. Für das Album war es mir aber wichtig, so authentisch wie möglich rüberzukommen – und wer könnte meine Geschichte besser erzählen als ich selbst?

MusikBlog: Ein sehr wichtiger und emotionaler Teil deiner Geschichte bildet das Themenfundament auf dem Album. Es geht um deine Mutter und den Kampf gegen den Krebs. Wenn du zurückdenkst an die schwere Zeit, als noch nicht klar war, wie das alles endet, welche Gedanken und Gefühle kommen da in dir hoch?

Sofia Kourtesis: Natürlich sind da viele traurige Emotionen. Am Ende des Tages muss man aber versuchen, damit irgendwie klarzukommen. Wir sind als Menschen nun mal sehr fragile Geschöpfe. Wir sollten jeden Moment, in dem es uns gut geht, viel mehr genießen und wertschätzen.

MusikBlog: War die Musik in dieser Zeit ein heilendes Tool?

Sofia Kourtesis: Absolut. Die Musik hat mir geholfen, die ganzen Erlebnisse zu verarbeiten. Das war vergleichbar mit einer heilsamen Therapie.

MusikBlog: Du hast damals die Hoffnung nie aufgegeben. Entgegen aller Prognosen hast du tatsächlich einen Arzt gefunden, der euch helfen konnte. Wie kam das alles zustande?

Sofia Kourtesis: Das war wirklich nicht einfach, aber Aufgeben kam für mich nie in Frage. Ich habe mich damals via Instagram an die Öffentlichkeit gewandt und demjenigen eine Songwidmung versprochen, der mir einen Termin bei dem Arzt besorgen konnte. Glücklicherweise hat sich der Arzt dann selbst bei mir gemeldet. Er hat es dann tatsächlich geschafft, meiner Mutter diesen schmerzhaften Tumor zu entfernen. Dafür hat er dann natürlich auch seinen Song von mir bekommen (“Vajkoczy”).

MusikBlog: Als Zugabe gab es wohl auch noch einen Ausflug ins Berghain, richtig?

Sofia Kourtesis: Ja, das stimmt. (lacht) Ich hatte ihn und sein Team zum Essen eingeladen. Aber irgendwie sind wir dann im Berghain gelandet. Das war wirklich ein unvergesslicher Abend. Er fand es auf jeden Fall sehr witzig.

MusikBlog: Apropos Berghain, apropos Berlin: Du bist Ende der Neunziger nach Berlin gezogen. Was macht die Stadt für dich besonders?

Sofia Kourtesis: In Berlin kann ich mich frei fühlen. Hier habe ich mein Support-System gefunden. Ich komme ja aus Peru, und dort hat man es als queere Person nicht gerade leicht. In Berlin ist das eine ganz andere Welt. Hier fühle ich mich einfach geborgen und sicher.

MusikBlog: “Madres” erscheint diese Woche. Hast du schon Ideen und Pläne für die Zeit danach?

Sofia Kourtesis: Ich darf leider noch nicht zu viel verraten. Aber ich werde wohl weiter an einem Drehbuch schreiben.

MusikBlog: Oha!

Sofia Kourtesis: Ja, die Filmwelt fasziniert mich irgendwie auch.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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