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Fatoni – Live im Karlstorbahnhof, Heidelberg

Fatoni, Berlins aktuell bester Rapper, lässt es sich nicht nehmen, in Heidelberg auf die Geburtsstätte des deutschen Hip-Hops hinzuweisen. Nicht, dass das zwingend nötig gewesen wäre, begegnet der aufmerksame Teil des Publikums den Gründervätern Toni L, Torch oder den Stieber Twins doch immer mal wieder in den Gassen der Altstadt.

Schaden kann es trotzdem nicht, denn das Publikum zeigt sich im Altersschnitt erfrischend disparat, von Best Ager bis Teenager. Außerdem lässt Anton Schneider, wie Fatoni abseits der Bühne heißt, von der ersten Sekunde an keinen Zweifel daran, dass er würdig ist, sich in diese Tatsachen hinein zu performen.

Mit DJ und Drummer im Rücken macht er Rap fürs Bildungsbürgertum und die genre-offenen Indie-Geister, die er rief. Er selbst steckt schließlich nicht nur in einer New Yorker Collegeweste, sondern auch in einem boygenius-Shirt.

Das macht den Watschenbaum nicht unglaubwürdiger, an dem in „Links Rechts“ so eifrig gerüttelt wird. Es unterstreicht ihn vielmehr – Bud-Spencer-Sample hin, Zynismus her.

„Ich bin kein Sexist, ich mansplaine auch Männer“ heißt es darin, bevor Fatoni dann alle Herren der Schöpfung aufruft, sich aus dem nächsten Moshpit zu verpissen, damit beim wiederholten Male zum Refrain von „Auseinander“ ausschließlich Frauen den Raum haben, sich ineinander zu stürzen.

Frei von Testosteron sind entsprechend auch die Gimmicks, die er dabei hat. Ob Seifenblasen- oder Popcornmaschine, alles entspricht der „Wunderbaren Welt“, von der er auf seinem aktuellen Album erzählt, die bei ihm aber nicht nur des Titels wegen in Anführungszeichen steht.

Den Humor scheint er trotzdem nicht verloren zu haben, wenn er angibt, während der Pandemie von Maultrommel bis Tuba jedes Instrument erlernt zu haben, um dann zu einer seiner herrlichsten Zeilen mit Ukulele in der Hand zum nächsten Moshpit zu blasen: „Lassen sie mich Künstler ich bin durch“!

Das hat auch über die Distanz mit vergleichsweise einfachen Mitteln, hohen Unterhaltungswert. Auch deshalb, weil er immer wieder ein Ass aus dem Ärmel schüttelt.

So holt er zum Ende der Show seinen Support-Act Taby Pilgrim für ein Gastspiel auf die Bühne, die er zu Beginn des Abends noch höchstpersönlich anmoderierte und seiner Begeisterung für ihr unbestreitbares Talent zum Ausdruck brachte.

Sie rappt über Depressionen und Therapie und zu guter Letzt nur vermeintlich jeder Fankurve aus dem Herzen: „Pyrotechnik ist kein Verbrechen, ich zünd dich an und lass dich brennen“.

Etwas unbedarfter startet Fatoni am Ende den „Modus“, bei dem der neue Karlstorbahnhof nochmals seine akkurat kalkulierte Statik unter Beweis stellen kann.

Nach 90 Minuten ist  Schluss, da fehlen dem Set eigentlich noch einige Schmankerl aus den „Yo Picasso“- Tagen. Verübeln kann man es Fatoni und seiner Kombo nicht, schließlich stand das Konzert wegen Krankheit ohnehin auf Messers Schneide. Rund um das Schlagzeug und die Turntables soll es – der lieben Abwehrkräfte wegen – deshalb kräftig nach Knoblauch geduftet haben.

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