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Einstürzende Neubauten – RAMPEN (apm: alien pop music)

„Ausgehend von der Idee, dass die Einstürzenden Neubauten in einem anderen Sonnensystem ebenso berühmt sind wie die Beatles in unserer Welt“ so Blixa Bargeld, liefern die Berliner Meister der Tonkunst dato „RAMPEN (apm: alien pop music)“.

Der dahinterstehende Gedanke war nicht vordergründig der, dass Außerirdische ihre Musik auflegen können, sondern ihr Gegenentwurf zum populistischen Ansatz der Popmusik in einem Subgenre ihren Platz findet, aus dem alles Andersartige schöpfen kann.

Auf extra-galaktischem Klangterrain waren Einstürzende Neubauten deshalb nicht unterwegs. Die von der Band sogenannten RAMPEN, algorithmus-ferne Soundkatapulte, die bereits in der Frühphase der Band im Einsatz waren, dienten während der Zugaben auf der letzten Tour, um „Material für die nächste Schicht“ aufzunehmen.

Daraus entstand ein Ideenpool mit knappen Absprachen als Ausgangspunkt, auf dessen Basis die Herren Bargeld, Hacke, Unruh, Moser, Arbeit und Gebhard – offiziell als „Quintett plus eins“ –  im Studio 15 neue Kapitel aufzuschlagen.

Von Trennschleifer über Pressluft bis Zigarettenglut gab es wenig Möglichkeiten der Geräuscherzeugung, die von den Experten des progressiven Lärmens und der epischen Industrieharmonien über die Jahre ausgelassen wurden. Als Konstanten durften dabei die Bassfeder und der Schrei des Frontmanns Blixa gelten.

Beides bleibt, und in dieser Runde belassen es die Musiker auch bei dem, was bei den „Alles In Allem“-Live-Veranstaltungen auf der Bühne zur Verfügung stand, der zeitraubende Forschungsprozess nach akustischem Neuland entfiel.

Mit dem zur Verfügung stehenden Instrumentarium wurde mit der Vorauskopplung „Ist Ist“ der „Seele Brennt“-Basshammer und das aufbrausende „Perpetuum Mobile“-Geschepper in neue musikalische Ausdrucksformen transformiert.

Die explodierende Dynamik von „Es Könnte Sein“ und „Aus Den Zeiten“, ein nie aufgelöster Spannungsbogen in „Isso Isso“, metallisch filigrane „Before I Go“ und latentes Unbehagen per „Tar & Feathers“ zeigen:

Zusammen mit melodischem Zwischenspiel und unterschwelligem Groove, diversem Geklingel und unterstrichen von Schlagwerk in unzähliger Intensität, kanalisieren die Aufnahmen Eindrücke aus ihrem Gesamtwerk und neue Lösungen in die alien pop music des Jahres 2024.

„Alles ist schon geschrieben, alles ist schon gesagt“ singt Blixa Bargeld eingangs von „Wie Lange Noch?“, „Der Goldene Schnitt durch die Kehle eines verehrbaren Himmelskörpers“, zu dem „Redukt“ ansetzt, wird zum „Schnitt durchs das Ladekabel“.

Die Texte, die Bargeld ersann, schöpfen aus „The Pit Of Language“ bizarr-poetische Lyrik, die – siehe „Meine Sprechwerkzeuge wollen mich nicht mehr“ aus dem abschließenden epischen „Gesundbrunnen“ – mitunter die Ebenen der gemeinen Sprachbildung überschreitet.

Immer die Vergänglichkeit des großen Ganzen vor Augen, diesmal in „Besser Isses“ manifestiert, umwehte Einstürzende Neubauten stets der Atem der Geschichte.

Vom „Weltgebäude ohne Grenzen“ träumte „Was Ist Ist“ auf „Ende Neu“, diese Utopie ist eine solche geblieben, die globale Gesamtsituation fließt weiterhin in ihr Schaffen ein, wird „Everything Will Be Fine“ zur sarkastischen Wunschvorstellung einer Gegenwart, deren Entwicklung treffender mit „Ick Wees Nich (Noch Nich)“ beschrieben ist.

Via „RAMPEN (apm: alien pop music)““ beweist eine Band, die schon längst nichts mehr beweisen muss, dass ihre Marke auch im fünften Jahrzehnt ihres Bestehens so wandel- wie unverwechselbar bleibt.

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