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YATWA – Parallel Lines II

Der April zeigt sich von seiner stereotypischsten Seite. Es stellen sich Temperaturrekorde ein, die Sonne scheint, dann fällt – nach einem Temperatursturz von mehr als 20 Grad – plötzlich Schnee. Die Wiener Garage-Rockband YATWA zeigt sich auf ihrem zweiten Longplayer “Parallel Lines II” ebenso zwischen heiter und wolkig.

Mit schrammelndem Gitarrensaitenschrubben sorgt das Quartett im Opener “Good At Dying” für Zustimmung, während Sänger Valentin Seißler ein paar Minuten braucht, bis man seinen Einsatz genretypisch als Gesang verorten will.

Bei “Fraud” lässt seine aufstrebende, an Pavement erinnernde, Stimme die flirrenden Saiten hinter sich, ergibt sich weniger später dem einsetzenden Klavier und beklagt sich doch nur über den Geschmack in seinem Mund.

Aufstrebend passt auch zu “Feel”, das Bloc-Party-Erinnerungen weckt und luftige Saiten nutzt, um das eigene Selbst zu erkunden. Eine unwiderstehliche Dynamik eint diesen Titel mit Seißlers stimmlichen Ausbrüchen, lässt dabei den im Indie-Rock schwelgenden Refrain im richtigen Moment ins Gehör pulsieren.

“Parallel Lines II” kann weiterhin mit Saitenspiel und Melancholie punkten, wie etwa im tiefgründigen “Fiebertraum”, in dem Sänger Valentin Seißler dank erhöhter Temperatur im Falsettgesang deutschsprachig phantasiert.

“Easier” präsentiert sich als eben das: Eine schrammelnde, lebenslustig orgelnde Nummer mit Selbstbewusstseinskick, während “Ma Face” sich wimmernd wabernd als verlängertes Interlude gibt.

Der Titelsong “Parallel Lines” lässt der Garage-Rock-Attitüde freien Lauf. Selbstzweifel nagen an den Österreichern, wenn man nach schwermütigem Einstand im Drumtakt marschiert. Schnarrende Saiten erhöhen die Aufmerksamkeit und die Spannung in den Gelenken, mehrstimmige Refrains den Drang die Stimme zu erheben. Der letzte Kick bleibt jedoch aus, hoffentlich kann man diesen live richtig platzieren.

“Pay My Rent” driftet mit 70er Rockkulisse orientierungslos umher, wie es im Falle der besungenen Teenagerjahre oftmals der Fall ist. Man hängt an den surrenden Gitarren, mäßigt sich an der Moog-Orgelei und träumt von langen Haaren und freier Liebe.

Ähnlich frei fühlt sich der Schlusssong “Marvin Morser” an. Mit lässigem Tempo, Sprechgesang und Klavierbegleitung wird der Titel zum sympathischen Motivationswerk, dessen Höhepunkt ein Trompetensoli ist.

YATWA schaffen mit “Parallel Lines II” einen Einblick in ihr genreübergreifendes Tun, das vom Garage- über Indie-Rock hin zu New Wave spannt. Dabei haben sie das Gitarrenspiel zum wichtigen Stilelement auserkoren, was die im Raum hängenden Saitenklänge eindrucksvoll eindringlich belegen.

Melancholisch gestimmt, gräbt das Album selbstreflektierend am eigenen Sein und erweist uns einen freundlichen Lebenstipp. Es wird wohl doch wieder ein sommerlicher Frühling.

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