Das Leben geht schon manchmal seltsame Wege. Dean Wareham kann davon nicht nur ein Lied singen. Der inzwischen in Neuseeland beheimatete Musiker war in den späten 80ern Frontmann von Galaxie 500, einer einflussreichen Band dreier Harvard Studenten, die am Konkurs von ihrem Label Rough Trade Records Anfang der 90er Jahre scheiterte.
Wareham gründete wenig später Luna, eine Dream-Pop-Kombo, der trotz hervorragender Kritiken nie der große Ruhm vergönnt war, doch lernte Wareham so seine Frau Britta kennen. Mit ihr gemeinsam zeichnet er für einige Filmsoundtracks verantwortlich.
Doch auch auf Solopfaden konnte er das Musizieren nie sein lassen und so veröffentlicht Dean Wareham mit „That’s The Price Of Loving Me“ sein viertes Studioalbum. Gemeinsam mit alten Weggefährten fand er sich in Los Angeles ein, um in weniger als einer Woche zehn Lo-Fi-Titel einzuspielen, denen eine gewisse Altersmelancholie anhängt.
So widmet Wareham seiner Gibson-Gitarre mit „We´re Not Finished Yet“ eine Ode an den Instrumentenbau und die emotionale Beziehung von Mensch und Saiteninstrument und liefert auch sonst eine Rückschau auf Freunde, Beziehungen und geschaffene Musik.
Besonders gelungen ist ihm dabei das Cover von „Dear Betty Baby“, das im Original von Mayo Thompson nun mit folkigem Anstrich an Warehams gebrechlichem Gesang verzagt. Die Rhythmussektion lässt den Titel harmonisch schwofend ins Gehör gleiten und überzeugt mit einem Feinschmecker-Gitarrensolo.
Auf die Kraft der Melodie kann Wareham immer zählen, so ergänzt seine Frau Britta Philipps am Bass und Zweitstimme solche Titel wie den Opener „You Were The Ones“ feinstimmig mit der warmen Stimme ihres Gatten.
Dass Wareham schon immer eine Vorliebe für kurze E-Gitarrensoli und zerrende Saiten hatte, findet sich versteckt auch auf „That’s The Price Of Loving Me“ wieder.
Überhaupt erinnert der Sound des Albums an Galaxie 500. Gesegnet mit einer gewissen Milde, zeigen sich Titel wie „Mystic Guest“ in ihrer Dynamik zwar gebremst, entschädigen dafür aber mit einer gefälligen Schwofigkeit.
Das mag eine Momentaufnahme der kurzen Einspielzeit sein, ist aber Grundstimmung, die Titel wie das klampfende „New World Julie“ oder „Bougeios Mancque“ bestimmen. Zweiteres gefällt mit entrückter Dream-Pop-Lässigkeit und der Zeit entfallenen Gesangsechoeffekten.
Schade, dass sich Dean Wareham und Mitmusiker*innen selten über die dreieinhalb Minuten Titellänge trauen, was dem verspielten Synthesizer von „Yesterdays Hero“ eine größere Bühne geben würde. So versteckt er sich hinter dem mitteilungsbedürftigen Gitarrengezupfe und der 60ies Folkästhetik des Titels.
Selbst der Titeltrack „That’s The Price Of Loving Me“ schafft nur mit einem Augenzwinkern die drei Minuten Spielzeit, frohlockt in diesen aber mit Warehams feingliedrigem Gitarrenspiel, wohlig das Gehör schmeichelnden Streichern und dem obligatorischen Gitarren-Solo, das wiederum die Güte von Warehams Gitarrenauswahl belegt.
Kurzzeitig wendet sich „Reich Der Traume“ der deutschen Sprache zu; mit ästhetischem Zungenschlag und von allerlei Percussion begleitet, erweist sich Wareham im besten Sinne als Einschlafhilfe.
„The Cloud Is Coming“ beendet das zu kurze Werk mit den großen Fragen des Lebens und den Abwegen der Menschheit.
„How come i´m never in the mood ?“. Für Warehams neuestes Soloalbum muss man definitiv in Stimmung sein. Käffchen und Ohrensessel (alternativ eine Hängematte) und in die warme Frühjahrssonne blinzeln, sind die idealen Voraussetzungen für den Genuss.
