Erinnert ihr euch noch an die 90er ? Ein Honda Civic mit glänzender Chromlackierung, wäre damals wohl das Nonplusultra im Exoten-Tuning gewesen. Die australische Band Civic erinnert sich auch an die 90er, hat aber mit dem Honda nur den Namen gemeinsam und als „Chrome Dipped“ erweist sich letztendlich auch nur der Name des dritten Albums der Band.
Nach der in den 70ern startenden Punkzeitreise auf den ersten beiden Alben, wollen sich die vier Musiker nun den 90er Jahren zuwenden.
Der Opener „The Fool“ erweist sich mit Kim Dealschen Basslauf und einem Saitenspiel, das auch Francis Black nicht besser hinbekommen würde, als musikalischer Knicks vor den Pixies, bleibt sich beim Text aber allemal selbst treu.
Vielleicht mag man beim Intro des Titeltracks „Chrome Dipped“ das Drumspiel von Dave Grohl raushören, die kurzen Skits an Kurt Cobain erinnern und der Gesang nölt in Malkmuschen Sphären daher, letztendlich ist es aber nur ein Grunge-Sound-Querschnitt, der sich bewusst dagegen wehrt, zu modern zu klingen.
Genug mit den Vergleichen, denn Civic zeigen nach „Future Forecast“ und „Taken By Force“ eine klangliche Weiterentwicklung. Nicht mehr ganz so ungestüm, bleibt man den Gitarrenriffs dennoch treu („The Hogg“), vermählt den Gesang aber mit dem Bass, wie etwa bei „Gulls Way“.
Dabei klingen Civic meist postpunklastig britischer als sie sind („Starting All The Dogs Off“), können sich der Vergangenheit bei „Trick Pony“ nicht erwehren und begeistern doch mit ihrem vergleichsweise gehaucht weichen Gesang auf schnarrendem Bass und wütendem Punkrhythmus.
Textlich will man, wie beim Sound, auch alte Ketten sprengen, beschäftigt sich mit der eigenen Weiterentwicklung und erweist sich als frustriert wütend, wenn „Amissus“ zitternd und bebend dröhnt.
Wer Punk sagt, muss auch Oi schreien, wenn „Poison“ Punkketten lediglich bei der Laufzeit von dreieinhalb Minuten sprengt, „Fragrant Rice“ den New-Wave-Gesang mit einem tempolastigen Gitarrenspiel zelebriert, dabei in einem Saiten-Schredder-Zyklon gerät, der Jim McCullough am Mikrofon zu Höchstleistungen inspiriert.
Etwas mehr Slack in der Fahrrille hat „Kingdom Come“, das nach Ende der 90er und dem Ende von Oasis klingt, bis der Britrock einem basslastigen, schiebenden Joy-Division-Sound weicht. Dieser fräst unvergleichlich sphärisch die Gehörwindungen frei, um mit „Swing Of The Noose“ das Album zu beschließen:
Noch einmal packen Civic die deprimierten 90er auf die wütenden Rhythmen der 70er. Feuern energisch an, lassen den Refrain mehrstimmig einpeitschen und machen Stimmung auf einem Track, dem nichts mehr folgt. Schade, denn es scheint, als hätten Civic gerade Betriebstemperatur erreicht.
So eine Chromlackierung mag ja nett anzusehen sein, nur klingen Civic nicht nach chromglänzend, sondern manchmal ein wenig nach „Lack ab“. Manchen Tracks merkt man die gewollte Soundentwicklung an, wobei gerade die schmissigen Punkrhythmen der Band am besten liegen.
Eine konsequente Weiterentwicklung ist „Chrome Dipped“ dennoch, benötigt nur noch ein wenig mehr Politur.
