Ein Abend, der knisterte: Jagas in der Münchner Muffathalle letzte Woche Freitag. Es war einer dieser Abende, an denen die Muffathalle schon lange vor Konzertbeginn vibrierte. 25 Jahre „Tour de France“ – das versprach eine große Party. Aber was dann geschah, damit hatte kaum jemand gerechnet. Ich auch nicht.
Schon als ich gegen 20:00 Uhr die Halle betrat, war der Raum dicht gefüllt. Über 1.000 Menschen, die Luft warm und schwer von Vorfreude. Thomas Bohnet, der diesen Abend sorgfältig organisiert hat, feiert 25 Jahre Parties mit französischer Musik. Er ist ein anerkannter Kenner der französischen Musikszene und unermüdlicher Entdecker neues Sounds.
Man hörte Gesprächsfetzen auf Französisch, Bayrisch, Englisch – ein internationales Durcheinander. Ich geriet neben ein Paar aus Nürnberg, die erzählten, sie seien nur wegen Jagas hier, einer Pariser Band, die sie im Sommer zufällig beim Bardentreffen entdeckt hatten. „Das war Liebe auf den ersten Akkord“, lachten sie.
Als die ersten Töne erklangen, wurde schnell klar: Jagas spielen nicht, sie werfen ihre Musik ins Publikum wie Funken. Thomas Humbert, der charismatische Sänger trieb seine Mitmusiker nach vorne.
Chanson-Rock, ja – aber durchzogen von Beats, die an Rave erinnerten, und einer Dringlichkeit, die mehr an Politrock als an Liebeslieder denken ließ.
Dabei fehlte jedoch etwas Entscheidendes: der Bassist. Air France hatte den Flug gestrichen, Ersatz nicht möglich. Ein Handicap, das jede andere junge Band vielleicht gestoppt hätte. Nicht Jagas. Sie arrangierten die Songs um, legten die Leerräume frei – und plötzlich hatte die Musik etwas Rohes, Unmittelbares.
Das Publikum, erst überrascht, ließ sich mitreißen. Einige waren der Meinung es sei schon der angesagte Hauptact. Neben mir stand eine Gruppe aus dem Landkreis Traunstein, Leute, die eigens für diesen Abend angereist waren. Einer erzählte stolz, er sei vom Trostberger Club Stiege, der Jagas als einer der ersten in Bayern auf die Bühne geholt hatte.
Ein paar Reihen weiter traf ich ein Paar, das tatsächlich einen Urlaub in Griechenland abgekürzt hatte, nur um heute hier zu sein. Das klingt verrückt – aber an diesem Abend verstand ich es.
Als später Les Yeux D’la Tête die Bühne betraten, war die Halle längst in Feierlaune. Ihre Hits wie „I Don’t Speak English“ oder „Liberté Chérie“ wurden lauthals mitgesungen, die neuen Songs gefeiert. Aber das Überraschungsmoment, das Leuchten in den Augen der Leute, das gehörte Jagas.
Ich ging hinaus in die Münchner Nacht mit dem Gefühl, etwas entdeckt zu haben. Eine Band, die nicht nur ein Konzert spielt, sondern eine Erfahrung schenkt. Jagas – dieser Name wird bleiben.
https://www.instagram.com/jagasmusic/
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