Post-Punk scheint langsam auserzählt – aber nicht, wenn es nach Maruja geht, die mit „Pain To Power“ einen starken, kompromisslosen Take zum Weltgeschehen mit klassischen Sounds veröffentlichen. Ein Debütalbum, das jetzt schon einen ganz eigenen Fingerabdruck auszeichnet.
Dieser Fingerabdruck liegt auf den Klappen des Saxophons, das die pulsierende Basis jedes Songs des UK-Quartetts bietet. Das ist sicher keine völlig neue Idee – shame machen es, Leatherette machen es, auf vielen der Genre-Klassiker gibt es zumindest einen Besuch von Bläsern.
Aber: Maruja meinen es ernst und ziehen aus dieser Essenz das Maximum an Freiraum. Joe Carroll ist für das Instrument zuständig und setzt dieses mit seinen drei Mitstreitern in Szene.
Das klingt in „Bloodsport“ nach klassischem Post-Punk-Sprechgesang auf blechernem Noise mit wütenden Gangshout-Momenten, „Look Down On Us“ treibt das Saxophon in den Abgrund und der Free Jazz-Punk-Sound von „Saoirse“ bringt alle Bereiche zusammen.
Die explosive Experimentierfreude der Band aus Manchester wird in „Trenches“ ins Rampenlicht gerückt – hier rappt Harry Wilkinson über einen pulsierenden Beat, um sich schließlich mit Bläsern und Gitarren in einem Crossover-Jazz-Finale zu suhlen.
Die Stimmung von „Pain To Power“ ist in diesem Fadenkreuz aus quengelnder Dringlichkeit und bewusstseinserweiternden Soli zum Reißen gespannt, die Atmosphäre bleibt düster.
Und doch: Maruja sind bei all der Genre-Finsternis auch ein Act, der neben melancholischen Leerstellen und Freiräumen („Zaytoun“) vor allem für Zusammenhalt und Empathie eintreten möchte.
Dabei tritt der Sound mal zornig gegen das Schienbein des Systems, mal wird die eigene Ohnmacht gegen die Widrigkeiten in den Wind geschrien. Und doch scheinen die Lösungen dieser melancholischen Dramaturgie nicht konsequent genug.
Wenn vier privilegierte Menschen 2025 das Fazit „Love is my God“ („Look Down On Us“) oder „It’s our differences that make us beautiful“ („Saoirse“) ziehen und in den Äther schreien, ist es am Ende doch etwas viel Getöse um wenig Substanz.
Immerhin: Der Sound kann in seiner exzentrischen Erzählweise auch mehr wagen.
