Neues aus der Garage? Nachdem die großen schwedischen Kollegen von The Hives vor vier Wochen vorgelegt haben, lauschen wir nun der wuchtigen Antwort aus Belgien. In anderen Worten: SONS veröffentlichen ihr drittes Album „Hallo“.
Doch während es im Opener der Hives nicht einmal mehr einer Zündschnur bedurfte, geben uns die vier aus der Kleinstadt Melsele kommenden Belgier zum Auftakt fast eine Minute Zeit, um uns in der düsteren Sound-Architektur einzufinden.
So hören wir zunächst bloß den dunkel-dröhnenden, auf einem Ton verharrenden Bass, eine verzerrte, hallende Gitarre und das bedrohlich-zischende, sporadisch angespielte Hi-Hat. Und dann endlich geht es los: „Hallo“, heißt es – vielleicht nicht allzu überraschend – zur Begrüßung. Die Kicks sind kräftig, das Tempo: noch moderat.
Schon im hier beschriebenen Eröffnungsstück „Hello“ wird ersichtlich, dass sich SONS auf dem neuen Werk eine veränderte Gangart verordnet haben. Der auf den Vorgängeralben zelebrierte Mix aus Garagenrock und Post-Punk erscheint facettenreicher. Schwankungen in Lautstärke und Intensität? Warum denn nicht?
Bei der Neufindung behilflich war der britische Produzent Dave McCracken, der bereits mit Florence + The Machine und Beyoncé zusammengearbeitet hat. Er holte die vier Musiker zu sich nach London, um den mitgebrachten Rohdiamanten einen neuen Schliff zu geben.
Trotz aller Verfeinerungen zugunsten einer Anschlussfähigkeit an den Mainstream haben sich SONS ihre Direktheit und ihren in die Glieder fahrenden Sound auf „Hallo“ bewahrt.
Das gilt auch für die überschaubar komplexen, dafür umso einprägsameren Texte, die sich deutlich von der Lyrik der Kollegen von The Hives unterscheiden.
„I don’t care, do my thing”, heißt es im Refrain von „Do My Thing“ dazu programmatisch. Entscheidend ist: der Song, dessen Lyrics wie die Aneinanderreihung berühmter Songtitel anmuten, geht kräftig nach vorn. Vorfreude auf Live-Gigs inklusive.
Im mit noch mehr BPM ausgestatteten „All Gold“ stellt sich Frontmann Robin Borghgraef die Frage, ob alles Gold ist, was glänzt. „Is it all gold? Is it, is it, is it, is it?“, fragt er.
Man möchte tanzend antworten: „Egal. Hauptsache, es glänzt!“ Und das tut „Hallo“ allemal.
