Kurz und schnell reinklotzen, alles was Spaß macht, einmal anreißen und dann am Erfolg verglühen – wie eine reife Frucht, die noch am Baum verrottet. Ein ambitionierter Plan für ein Debütalbum. Nur gut, dass Chokecherry ihn nicht in allen Punkten durchziehen.
Auf „Ripe Fruit Rots And Falls“ stimmt zumindest der Anfang des Vorhabens: Gitarristin Izzie Clark und Bassistin E. Scarlett Levinson stecken ein shoegaze-breites und post-punk-hohes Feld ab, in dem sie die nächsten zehn Songs lang hin und her springen.
Beide Musikerinnen verweben ihre Stimmen zu atmosphärischen Klangteppichen, die sie schon im Opener „Porcelain Warrior“ großzügig auslegen. Die Grenzen, an denen die Instrumente anfangen und der Gesang aufhört, verschwimmen im Hall.
Mit „Major Threat“ ziehen Chokecherry direkt darauf das Tempo an. Zusätzlich sorgen „Oh-Oh-Oh“-Parts für das richtige Verhältnis von punkig zu mitsingbar. Da bekommt man fast Lust, nochmal eine gemäßigt rebellische Teenager-Phase zu durchleben.
Egal, in welche Gefilde ihres Genre-Spielfelds Chokecherry tendieren, überzeugen sie jedes Mal entweder durch grundsolides Songwriting oder einen unerwarteten Sprung in die entgegengesetzte Richtung. So endet der scheinbar eindeutige Indie-Ausflug „Pretty Things“ etwa in Dieselgenerator-Riffs oder das leicht windschiefe „Oblivion“ in gefälliger Geradlinigkeit.
Was alle Songs jedoch eint, ist eine warme Aura, die „Ripe Fruit Rots And Falls“ auch die genretypische Schwere von Shoegaze und Post-Punk fernhält. Dass die Band zum Duo zusammengeschrumpft ist, tut ihr in dieser Hinsicht gut, denn so können Clark und Levinson in einem intimeren Rahmen zusammen spielen.
Prädikat: Big Mood. Bleibt noch zu hoffen, dass Chokecherry den Albumtitel enttäuschen werden und eben nicht schon ihr ganzes Können verpulvert haben. Man darf jedoch optimistisch sein – da geht sicherlich noch viel mehr.
