Mit ihrer intensiven und wütenden Mixtur aus Punk, Elektro und Rap gehören Sleaford Mods zu den außergewöhnlichsten und aufregenden UK-Acts im Hier und Jetzt. Seit fast 20 Jahren nimmt das Duo kein Blatt vor den Mund und sorgt live und auf Platte immer wieder für Aufsehen. Auf ihrem neuen Studioalbum „The Demise Of Planet X“ setzen die beiden Duo-Verantwortlichen Andrew Fearn und Jason Williamsons ihren energiegeladenen Kreuzzug gegen das System ungebremst fort. Kurz vor der Veröffentlichung des neuen Schaffens trafen wir uns mit Jason Williamson zum Interview und sprachen über die Magie des Sounds, musikalische Schwerstarbeit und das ultimative Glücksgefühl.
MusikBlog: Jason, eure Musik lässt sich unheimlich schwer einfangen und einordnen. Auch auf eurem neuen Album „The Demise Of Planet X“ tobt ihr euch in punkto Arrangements und Sounds wieder richtig aus. Woher kommt diese Spielfreude?
Jason Williamson: Das kann ich dir gar nicht genau sagen. Wir gehen nicht wirklich mit einem Plan in die Phase des Songwritings. Ich meine, wenn wir einen melodischen Popsong schreiben könnten, der uns gefällt, dann würden wir es machen. Aber bei uns funktioniert es einfach anders. Andrew und ich, wir sind schon sehr spezielle Typen. Und wir machen einfach sehr spezielle Musik. Diese Sounds entstehen einfach, wenn wir uns zusammensetzen. Das kann man nur schwer erklären. Die Dinge passieren, wie sie passieren.
MusikBlog: Mein aktueller Lieblingstrack vom neuen Album heißt „Double Diamond“. Der kommt super entspannt daher und hat diese eingängige Bassline, die mich irgendwie an „Smoke On The Water“ erinnert.
Jason Williamson: Oh, der Song ist cool, ja. Ich muss da aber eher an das Album „Truth“ von Jeff Beck denken. (lacht)
MusikBlog: Gibt es einen Song auf dem Album, der dir besonders am Herzen liegt?
Jason Williamson: Da gibt es so einige, aber klar, das Ganze fängt mit „The Good Life“ schon richtig gut an. Ich finde, der Einstieg ins neue Album ist wirklich brillant.
MusikBlog: Der Song ist auch deshalb sehr besonders, weil ihr hierfür einen ganz besonderen Gast mit im Studio hattet. Die Rede ist von „Game Of Thrones“-Darstellerin Gwendoline Christie. Wie kam es denn dazu?
Jason Williamson: Wir haben an dem Song bestimmt zwei Jahre lang gearbeitet. Irgendwie hat immer etwas gefehlt. Erst waren es die Strophen, dann hatte ich irgendwann das Gefühl, dass ich für den Refrain nicht der Richtige war. Das war ein ziemliches Auf und Ab. Wir haben dann die Jungs von Big Special dazugeholt. Das war toll und hilfreich. Aber es fehlte irgendwie immer noch etwas. Ich kam dann auf die Idee, mit Gwendoline zu arbeiten, die uns damals schon seit einer Weile auf Instagram folgte. Ich fragte sie, ob sie nicht Lust hätte, uns zu helfen. Ein paar Tage später stand sie mit uns im Abbey Road Studio. Das war ziemlich magisch.
MusikBlog: Abbey Road Studio ist ein gutes Stichwort. Ihr habt diesmal in mehreren Studios aufgenommen. Inwiefern hat diese Arbeitsweise die musikalische Ausrichtung beeinflusst?
Jason Williamson: Jedes Studio bringt natürlich einen eigenen Vibe mit. In den Abbey Road Studios beispielsweise hat man Unmengen an Instrumenten, die man nutzen kann. Wenn wir ein großes Orchester wären, dann hätten wir da richtig Alarm machen können. Ich lasse mich in einem Studio aber eher von der baulichen Beschaffenheit inspirieren. Welches Gefühl entsteht in dem Gebäude, wenn wir es betreten? Wie wohl fühlen wir uns darin? Das ist mir irgendwie wichtiger. Und klar, in den Abbey Road Studios ist die ganze Atmosphäre schon ziemlich beeindruckend.
MusikBlog: Welche Phase innerhalb eines Produktionsprozesses ist deiner Meinung nach die wertvollste?
Jason Williamson: Alle zwei oder drei Jahre schafft man etwas aus dem Nichts. Das hat mich schon immer am meisten faszinierend. Da ist zunächst nur ein leeres Blatt Papier. Ein paar Wochen oder Monate später hält man dann ein ganzes Album in den Händen. Wenn ich mir das vorstelle, dann ist das schon ziemlich verrückt. Dieser kreative Prozess ist einfach mit nichts zu vergleichen.
MusikBlog: Ist es einfach, mit Andrew zusammen zu arbeiten?
Jason Williamson: Andrew kann sehr gut zuhören. Er ist unheimlich talentiert und stets bereit Kompromisse einzugehen, wenn es nötig ist. Andrew ist ein absoluter Teamplayer. Ja, es ist sehr einfach, mit Andrew zu arbeiten.
MusikBlog: Jason, ihr seid immer sehr präsent, wenn es um gesellschaftliche und politische Missstände geht. Was macht dir aktuell am meisten Sorgen, wenn du dir die Weltlage vor Augen führst?
Jason Williamson: Wir leben in Zeiten, in denen jede neue Nachricht die Welt erschüttern und verändern kann. Man kommt irgendwie kaum zum Durchatmen. Das ist schon ziemlich beängstigend.
MusikBlog: Was macht dir Hoffnung?
Jason Williamson: Das Gute im Menschen. Wir werden ständig mit Hass konfrontiert. Man hasst uns und wir hassen dann zurück. Das ist schon ziemlich krank, aber leider Realität. Wir sollten mehr auf die schönen und guten Dinge achten, anstatt ständig das Schlechte zu suchen. Es gibt so viel Gutes in jedem Menschen. Und es gibt so viele schöne Dinge auf der Welt.
MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.
