Nicht nur im Königreich wird verlässlich am Wähler vorbei regiert, daher wird den Sleaford Mods die Munition für ihre bissigen Analysen vermutlich nie ausgehen. Wie auf den Vorab-Auskopplungen, haben Jason Williamson und Andrew Fearn auch auf dem Rest von „The Demise Of Planet X“ reichlich Wut im Bauch, um – damit geflutet – die Lebensumstände der common people zu dokumentieren.

Das ist dato aber nicht das einzige Anliegen, mit dem das Duo aus Nottingham unterwegs ist, Autokraten-Hype und die als gesetzt betrachtete Überlegenheit des XY-Chromosom werden auf ihrer 13. Studio-Ausgabe so bitterböse kommentiert, dass daneben noch Platz für ein bisschen Mea culpa hinsichtlich des hauseigenen Kollegen-Bashing bleibt.

Was Jason Williamson, der Mann am Mikro, über den Beats und Samples seines Kollegen Fearn sprechsingt, sind kultivierte Nonstop-Schimpftiraden, derb formulierte Gesellschaftskritik, die bei all ihrer Komplexität klingt, als würden hier Nachrichten in einfacher Sprache an die Entscheidungsträger adressiert werden: „no war, no death“  wie es „Megaton“ postuliert – das kann doch nicht so schwer zu verstehen sein!

„I can see a phantom“: Der Bote einer sozialen Gerechtigkeit ist es wohl nicht gewesen, wovon „The Good Life“ berichtet, wie dem darin enthaltenen Vortrag von Williamson zu entnehmen ist, welcher beim Abbiegen in den mittelenglischen Dialekt  für Nicht-Muttersprachler eine Herausforderung bleibt, „fuck“ und „shit“ auf der Platte spätestens mit der Dreiton-Schleife „Double Diamond“ als Kernbegriffe etabliert.

Die Männer, die mit physischer Präsenz und einem Laptop locker Konzerthallen zum Kochen bringen, setzen die Inhalte in einen differenzierten Klangrahmen, preist der Soundverantwortliche Andrew Fearn Streicher und sanfte Backgroundgesänge ein, lässt die Nummern wiederholt nach einem Wolf im Schafspelz klingen, wozu die Stimmen von Aldous Harding und Sue Tompkins nicht unwesentlich beitragen.

Während der Titeltrack „The Demise Of Planet X“ auf dem direkten Weg losballert, zwingen „Elitest G.O.A.T.“ und „Gina Was“ geradezu auf den Dancefloor, verbreitet „Don Draper“ laissez faire Eleganz. Wo „Kill List“ mit Unwucht unterwegs ist, punkten „Shoving The Images“ und „The Unwrap“ mit jeder Menge Pop-Appeal.

Die allgegenwärtige Unsicherheit, die „The Demise Of Planet X“ ausdrücken will, ist gelungen, sicher hingegen scheint, dass Altersmilde für die Sleaford Mods in naher Zukunft keine Option sein wird.

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