Ex-Black-Midi-Bassist Cameron Picton alias My New Band Believe mischt auf seinem ersten quasi Soloalbum ein beinahe akustisches Potpourri aus Folk, Free Jazz und Sophisticated-Pop, das auf den natürlichen Mindestabstand pfeift.

Damit lässt Picton das Frickel-Konglomerat Black Midi hinter sich und startet zu neuen Ufern. Der Sänger steht bei diesem neuen Projekt im Zentrum und baut auf eine rotierende Gefolgschaft.

Doch wer glaubte, er mache nun Nachvollziehbares, sieht sich getäuscht. Das hat bei seinem einstigen Kollegen Geordie Greep auch nicht funktioniert. Bei Black Midi war Picton einer der Dirigenten eines undurchdringlichen Chaos. Hier ist er alleiniger Architekt eines Labyrinths, bei dem sich die Wände verschieben.

So wie in „Heart Of Darkness” – ein Stück, das vermutlich schaudern soll, das mit der plastischen Herangehensweise bei Percussions und Streichern aber eher für eine Theaterinszenierung funktioniert.

Obendrein fühlt man sich als Zuhörer*in permanent in der Position des Belehrten, ohne zu wissen, um was es Picton eigentlich geht. Denn dafür ist „My New Band Believe“ nicht nur musikalisch zu versponnen, sondern auch inhaltlich einigermaßen krude.

Häufig wird nur der Meister selbst wissen, was die zirpenden Zwischenteile zwischen der nächsten Streichertapete eigentlich flüstern.

„Love Story“, wohl ein Liebeslied, „Actress“ setzt sich angeblich mit der Selbstzerstörung einer vertrauten Person auseinander und „Opposite Teacher“ versucht dem Schicksal zu entrinnen, wie die eigenen Eltern zu werden. Mutmaßlich. Nochmal genau hinhören? Gar nicht so einfach.

Auf die Ideen kam Picton in einem Hotel in China, wo er während eines delirierenden Krankheitszustands an Songfetzen und Textzeilen bastelte. Ein Fiebertraum ist dieses Album deshalb nicht geworden, aber doch eines, das sich mit nüchterner Betrachtung einigermaßen verrückt ausnimmt.

Das steckt schon in der Art und Weise, wie Picton singt und artikuliert. Wie jemand, der einem auf unangenehme Weise zu nahekommt und mit schräger Miene, wild gestikulierend vor dem Gesicht rumfuchtelt.

Das selbstbetitelte Album „My New Band Believe“ (Picton gefällt der Name gar nicht – grammatikalisch inkorrekt? Sei’s drum) ist nicht zwingend ein aufwühlendes, aber meistens aufdringliches Kammertheater.

Eine Theater-Inszenierung drängt sich förmlich auf, vielleicht auch um des Verständnis Willen. Denn das Bild zum Ton könnte aufschlussreicher sein als die Platte selbst.

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