„Einfach mal über Nacht beim Lieblingslabel unter Vertrag genommen werden“ war sicher nicht das ausgesprochenen Ziel. Trotzdem haben The Sophs aus Los Angeles, Kalifornien genau das geschafft.

Während der Chefetage von Rough Trade Records ein vielversprechendes Demotape ausreichte, musste für den Durchbruch in die Wahrnehmung der Hörer*innen doch noch ein gut gemachtes Debütalbum her.

Ohne zu genau hinzuhören, könnte man „GOLDSTAR“ jedoch noch für ersteres halten. Und das nicht wegen des Klangbilds. Ganz im Gegenteil: Alle zehn Songs klingen in ihrer Vielseitigkeit sehr überzeugend. Klar und deutlich, schrammelig und versifft, beides im Wechsel oder sogar parallel zueinander – je nach Stimmung.

Ein eigener Sound scheint hier zu keimen. Im Gegensatz zur originellen Umsetzung wirkt das Grundmaterial jedoch umso verworrener. Pop-Punk, Blues-Rock, Folk-Pop – The Sophs verwerten so ziemlich jeden Stil, der sich im weitesten Sinne unter „Alternative“ fassen lässt.

“Ich will stehlen, plagiieren, borgen“, drückt Sänger Ethan Ramon das ganz trocken aus. Die Hoffnung bleibt natürlich, dass am Ende ein solides Ganzes entsteht; aber das Album zerfällt in zwei Teile, von denen die „B-Seite“ einfach mehr überzeugt.

„SWEETIEPIE“ geht aus dem Nichts mit Country-Harmonie und Maultrommel viel zu gutgelaunt nach vorne – vor allem für einen Song aus der Perspektive eines aufdringlichen Trunkenboldes, der seinem „Schnucki“ einen unangekündigten, nächtlichen Besuch abstattet.

Die drogenbefeuerten Szenarien in „A SYMPATHETIC PERSON“ verdüstern den Ton wieder. Dass der Song nach der Einlage eines Musical-Schurken klingt, stört auch nicht weiter.

Über der anfänglichen ZZ-Top-Parodie „They Told Me Jump, I Said How High“ entwickelt sich wie eine psychotische Predigt ein wirrer Monolog. Irgendwie geht es um Revolution, Sex, luxuriöse Arten zu sterben, und am Ende gesteht Ramon, den Text betrunken geschrieben zu haben.

Alle Highlights haben gemeinsam, dass die Künstler den Wahnsinn ihrer Stil-Collage darin am konsequentesten umsetzen, oder dass sie stilistisch komplett herausfallen. Alles davor bleibt austauschbar, aber trotzdem stilvoll umgesetzt. Da darf in Zukunft gerne noch mehr von kommen!

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