Danny Brown malt uns auf „Stardust“ ein abstraktes Bild. Es ist ein verspieltes Album mit Ecken und Kanten. Es ist ein Werk, das uns bei jedem Durchlauf mit neuen Eindrücken belohnt.

Man kennt abstrakte Kunst. Farbkleckse, Flächen und Linien. Ein Durcheinander von Licht und Schatten. Auf den ersten Blick macht nichts Sinn. Was will uns der Künstler damit sagen? Wo beginnen die Konturen? Wo enden die Weichzeichnungen? Ist das ein Gesicht? Ist das ein Baum? Ist das ein Haus?

Wir stehen vor dem Gemälde und rätseln. Natürlich wollen wir uns nichts anmerken lassen. Wir wissen, was wir mögen. Wir kennen doch unseren Geschmack.

So auch bei „Stardust“. Wir stehen vor dem abstrakten Bild und fachsimpeln, als hätten wir 14 Semester Kunstgeschichte studiert. Wir entwerfen Theorien. Wir werfen uns in die Brust. Wir lassen die Welt teilhaben an unserem erschwindelten Fachwissen.

Aber innerlich wissen wir, dass wir keine Ahnung haben. All die Farbkleckse, all die Flächen und all die bunten Linien, sie verwirren uns und lassen uns hilflos zurück. Wer sollen einen Sinn finden in all dem Durcheinander?

Bestimmt möchte uns der Künstler etwas sagen. Bestimmt gibt es einen roten Faden. Bestimmt müssen wir bloß die Punkte miteinander verbinden. Doch wir können die Botschaft nicht entschlüsseln.

Und so wenden wir uns frustriert ab und sind schon kurz davor, das Gemälde in den Keller zu sperren. Doch dann, gerade als wir den Bildrahmen berühren, trifft es uns wie ein Schlag. Wir treten zurück. Erst zögerlich, dann einen Schritt, dann bis ans Ende des Raums.

Wir betrachten die Leinwand in ihrer ganzen Bildgewalt. Und plötzlich verbinden sich die Linien zu einem Gesicht. Plötzlich sehen wir den Baum. Und auch das Haus finden wir im Bild ganz unten.

„Stardust“ belohnt uns für diese Mühe. Es ist ein Album, das man sich erarbeiten muss. Doch es lohnt sich.

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