Weihnachten ist manchmal viel zu viel. Zu viel Konsum. Zu viel Gefühl. Doch ist es nie zu viel des Guten. Das zumindest beschließt Ariel Oehl auf seinem neuen Album „Dunkle Magie“, das er selbst als Weihnachtsalbum bezeichnet.
Auf den 13 Titeln finden sich eher weniger klassische Weihnachtslieder wie „Alle Jahre Wieder Stille Nacht“. Oehl erkundet auch eigenes Schaffen neu.
„Das Fest“, das bereits auf der EP „Tom“ erschien, wird hier ebenso neu interpretiert wie der weihnachtliche „Andachtsjodler“. Oehl hat sich beim Komponieren und Einspielen auf sein Gespür für feine Melodien und seine Schaffenskraft für andere Künstler konzentriert. So darf Stella Sommer aka Die Heiterkeit ihn ebenso begleiten wie auch Tristan Brusch, Romi Rabic und der großartige Pianist Angel Vassilev.
Aber wo ist denn nun die „Dunkle Magie“ des Albums? Melancholie, leise Sozialkritik und ganz viel Beziehungsaufarbeitung begleiten Songs wie „Als Wir Uns Liebten“ oder „Zärtlich Werd Ich Dich Verlassen“.
„Bad Cannstatt“ findet sich schon früh auf dem Album ein und verweilt doch länger, denn Ariel Oehl und Tristan Brusch bilden ein wundervolles Duo, das im Rhythmus der Akustik entführt. Oehl hat bereits an Bruschs neuem Album „Am Anfang“ mitgearbeitet und offenbar haben beide erkannt, welch wunderbare Musik man gemeinsam schaffen kann. „Bad Cannstatt“ öffnet sich mit philharmonischem Anspruch, gesetzten Klanggimmicks und verweilt doch in seiner schlichten Akustik.
Der Titeltrack „Dunkle Magie“ blickt mit Kindesaugen, stillen Pianomelodien und Oehls filigranem Gesang auf die Geschenkeflut zu Weihnachten, sinniert über eben diese und spielt sich mit all diesen dunklen Gedanken zur lichten Zeit.
Das neu aufgelegte „Das Fest“ bewegt sich, akustisch Saiten zupfend, gut gelaunt in eingängige Sphären. Oehls wärmende Stimme umschmeichelt diesen Folktrack ganz wunderbar, ebenso das Spiel von Angel Vassilev auf „Merry Christmas Mr. Sakamoto“.
Der Fokus auf klassische Instrumente sorgt für audiophilen Hochgenuss und zeigt Oehls wunderbares Arrangementgespür. Das verzaubert „In Drei Leben“ erdige Töne und vermählt sie mit Oehls markanter Stimme, die sich doch so feinstofflich zerbrechlich gibt.
Sie lässt das wundersame „Es Schneit“ zum stimmigen Blick aus dem Fenster werden, das mit hohem Gesang und sanftem Saitenspiel die Flocken vom Himmel tanzen lässt.
Der traditionelle Andachtsjodler wird mit „Pobozno Jodlanje“ zum poppigen Titel, dessen Balkanrhythmen allerdings wenig weihnachtlich wirken, was „Erwin Allein Zu Haus“ mit der Aufzählung weihnachtlicher Rituale nachholt. Doch was bringen diese, wenn die Einsamkeit von Melancholie bestimmt wird? Die wundervolle Samplewahl zum Abschluss versöhnt uns.
Schwer wiegt „Als Wir Uns Liebten“, dessen mollige Gitarrentöne sich auf Oehls wogenden Gesang legen, der Beat dem Titel Leben einhaucht und man sich schnell in den lyrischen Texten verliert. Fahrig nölend verfällt Oehl den Zweifeln an sich selbst und der Liebe, die er empfindet.
Klassisch präsentiert Oehl eine Bläsersektion, die „Maria Durch Ein Dornwald Ging“ vertont, dabei akustisch ebenso beeindruckt wie seine Interpretation von „Alle Jahre Wieder Stille Nacht“ .
Da erweckt „Die Arbeit Des Frühlings“ nicht nur diese Jahreszeit mit feinen Harmonien aus akustischen Instrumenten wieder. Sanft und doch durchwirkend lässt Oehl hier die Instrumente sprechen.
Gütig schwoft er begleitend um die Oldie-Version „Zärtlich Werd Ich Dich Verlassen“, die sich – italienische Dolce Vita atmend – mit der Grandessa von Stella Sommers tonaler Stimme vereint. Die Sängerin krönt das Album zum Abschluss. Es ist eben nie zu viel des Guten. Auch an Weihnachten.
