Ich will mit jedem Song eine neue Welt entstehen lassen – Tyler Ballgame im Interview

In einer sich tagtäglich überschlagenden Zeit, in der Fortschritt, Technik und der nicht enden wollende Drang nach vorne weltweit den Ton angeben, ist man für jeden Moment der Entschleunigung und Entspannung dankbar. Das Debütalbum von Tyler Ballgame nimmt einen mit auf eine wohltuende Zeitreise. Auf „For The First Time, Again“ vereint der Amerikaner den lockeren Vibe der 60s mit zeitlosem Songwriting, der an Größen wie Roy Orbikson, Elvis Presley, Meat Loaf und John Lennon erinnert. Kurz vor der Veröffentlichung seines ersten Studioalbums trafen wir uns mit Tyler Ballgame zum Interview und sprachen über musikalische Entstehungsprozesse, wichtige Begleiter und überraschende Wendungen.

MusikBlog: Tyler, ich weiß, dass du schon lange auf den Tag der Veröffentlichung deines Debütalbums hinarbeitest. Nun ist es bald soweit. Wie fühlst du dich?

Tyler Ballgame: Ich bin so aufgeregt und kann es kaum erwarten. Wir haben wirklich die vergangenen zwei Jahre an nichts anderem gearbeitet. Diese Songs sind mein Leben. Wir waren das letzte Jahr viel auf Tour und haben all diese Songs immer und immer wieder live gespielt. Nun haben es die Lieder endlich auch auf ein komplettes Album geschafft. Das ist wunderbar.

MusikBlog: Welche Gedanken und Bilder schießen dir durch den Kopf, wenn du an den Produktionsprozess zurückdenkst?

Tyler Ballgame: Alles fing an, als ich meinen Produzenten Jonathan Rado (Foxygen, The Lemon Twigs, Weyes Blood) kennengelernt habe. Das ist jetzt ziemlich genau zwei Jahre her. Er hat meine Sachen gehört und mich einfach gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm ein ganzes Album aufzunehmen. So kam dann eins zum anderen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt erst eine EP draußen, von der letztlich auch nur ein Song später mit ins Studio genommen wurde. Ich habe dann den Rest des Albums innerhalb von vier Wochen zusammengetragen. Das war schon ziemlich intensiv.

MusikBlog: Musikalisch nimmst du die Hörer*innen mit in die Sechziger und Siebziger Jahre. Der Crooner-Fan wird genauso abgeholt wie der Freund von klassischem Singer/Songwriter-Liedgut. Wie würdest du deine Musik selbst einordnen?

Tyler Ballgame: Wir wollten mit jedem Song eine neue Welt entstehen lassen. Das war unser Hauptziel. Jedes Lied steht für sich. Das Thema, die Einflüsse, das Genre, die Musik: Wir wollten jedem Song die Möglichkeit geben, sich selbst zu entwickeln. Das war das Ziel.

MusikBlog: Welche Einflüsse waren während des Songwritings präsent?

Tyler Ballgame: Ich denke da in erster Linie an die ganz Großen der Vergangenheit: Die Beatles, die Solo-Jahre der Beatles-Mitglieder, Joni Mitchel und Simon & Garfunkel.

MusikBlog: Was war dir thematisch wichtig?

Tyler Ballgame: Es geht um die Liebe. Aber nicht nur im klassischen Sinn. Der romantische Part spielt eine Rolle, aber nicht die ausschlaggebende. Es geht auch um universelle und ewig währende Liebe. Manchmal habe ich auch einfach nur Wörter und Sätze aneinandergereiht und war dann am Ende ganz überrascht, in welche Themenwelten ich dann eingetaucht bin. Das war ein ziemlich spannender Prozess.

MusikBlog: Du bist für deinen großen Traum von Rhode Island nach Los Angeles gezogen. Warum war dieser Umzug rückblickend so wichtig für dich?

Tyler Ballgame: Wenn man als Künstler durchstarten möchte und klare Ziele vor Augen hat, dann ist das Umfeld um einen herum mindestens genauso wichtig wie das eigene Talent. Im Alleingang ist es einfach schwer. Ich bin nach Los Angeles gezogen, in der Hoffnung, die richtigen Leute zu treffen – Leute, die mir auf meinem Weg weiterhelfen. Es hat ungefähr eineinhalb Jahre gedauert, bis ich richtig angekommen bin. Los Angeles hat schon einen ganz bestimmten Vibe. Die Leute sind alle etwas anders drauf. Das hat ein bisschen gedauert. Aber irgendwann wusste ich, welche Menschen zu mir passen.

MusikBlog: John Rado war einer dieser Menschen.

Tyler Ballgame: Ja, John hat mir schon sehr geholfen. Er ist ein Produzent, der nicht gerne mit Demos arbeitet. Ihm ist es wichtiger, dass man den Moment im Studio einfach nutzt. So sind viele Songs in bestimmten Sessions entstanden. Das war neu für mich, aber sehr beeindruckend.

MusikBlog: Gibt es Songs auf dem Album, von denen du vorher eine andere Sound-Vision im Kopf hattest?

Tyler Ballgame. Da fällt mir auf jeden Fall „Down So Bad“ ein. Hier hatte ich beim Schreiben eher so ein Cowboy-Americana-Gefühl. Das hat im Studio aber nicht so richtig geklappt. John änderte dann das komplette Setting. Am nächsten Morgen stand dann ein klassisches Beatles-Setup im Studio. Wir haben dann einfach losgespielt und am Ende klang der Song total anders. Aber ich fand’s super.

MusikBlog: Du kommst im April für zwei Shows nach Deutschland (Köln und Berlin). Wie wichtig ist dir die Bühne und auf was können sich deine deutschen Fans freuen?

Tyler Ballgame: Oh, ich liebe die Arbeit im Studio. Aber ich liebe es auch, wenn ich auf der Bühne stehe. Die Verbindung zwischen dem Künstler und dem Publikum kann atemberaubend sein. Das ist immer ein fantastisches Gefühl. Ich kann mich noch gut an das Reeperbahn-Festival erinnern. Da habe ich das deutsche Publikum lieben gelernt. Ich freue mich schon sehr auf die beiden Shows. Ich werde mit der kompletten Band anreisen und ich hoffe natürlich, dass es unvergessliche Abende werden.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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