Kim Gordon hat gestern ihre neue Single „Not Today“ inklusive Musikvideo veröffentlicht. Der Song stammt von ihrem neuen Album „Play Me“, das am 13. März via Matador Records erscheint.
40 Jahre Radikalität – und kein bisschen zahmer geworden. Sonic-Youth-Mitgründerin Kim Gordon schärft ihre künstlerische Klinge weiter und liefert mit ihrem kommenden Werk ein Album ab, das die Absurditäten unserer Zeit mit messerscharfem Witz seziert.
Die Single „Not Today“ offenbart bereits die neue Richtung: Kim Gordon singt hier mit einer Stimme, die sie selbst überrascht hat. „Ich habe plötzlich auf eine Art gesungen, die ich lange nicht benutzt hatte“, erklärt sie. „Da kam eine andere Stimme zum Vorschein.“
Diese neue Facette ihrer Stimme klingt fast poetisch, was bei einer Künstlerin, die Noise wie eine Muttersprache beherrscht, durchaus bemerkenswert ist.
Produzent Justin Raisen (bekannt für seine Arbeit mit Charli XCX und Yves Tumor) hilft Gordon dabei, ihren Sound zu verdichten: melodischere Beats treffen auf den motorischen Drive des Krautrock, alles kurz, prägnant und rhythmus-orientiert.
Nach zwei Grammy-Nominierungen für ihr letztes Album „The Collective“ von 2024 – ein Album, worauf Gordon laut MusikBlog-Review „Spaß daran hat, mit neuen Stilmitteln des Noise zu spielen und kritische Elemente einzusetzen, an die man vor etwa drei Jahrzehnten gar nicht gedacht hätte“ – richtet sie nun ihren Blick weiter.
Auf ihrem dritten Album geht es um Tech-Milliardäre, KI-getriebene Kulturverflachung und den alltäglichen Wahnsinn des Spätkapitalismus.
Die neuen Songs tragen sprechende Titel: „Square Jaw“ rechnet mit toxischer Tech-Männlichkeit ab, „Dirty Tech“ reflektiert die Kosten künstlicher Intelligenz, während „Busy Bee“ den Selbstoptimierungswahn mit schwarzem Humor karikiert.
„ByeBye25“, die erste Single-Auskopplung vom neuen Album, verwandelt verbotene Begriffe aus Trump-Listen in bissige Oppositionskunst. Der Titeltrack selbst sampelt Namen von Spotify-Playlisten über einen Trip-Hop-Groove – Kim Gordon entlarvt damit die Logik der durchkuratierten Komfortkultur.
„Unsere Stimmungen werden vorweggenommen, bevor wir sie überhaupt haben“, sagt sie. „Ich finde das faszinierend – und gleichzeitig extrem beleidigend.“
Das von den Mode-Designerinnen Kate und Laura Mulleavy inszenierte Video zu „Not Today“ ist eine überbelichtete Fiebertraum-Collage: Sonnenlicht, Palmen, Gordon in einem spärlich möblierten Haus.
Die Szenen wirken entrückt und köstlich absurd – Basketball spielen im Abendkleid, eine extravagante Maske, die traumähnliche Atmosphäre kippt ins Mysteriöse. Das Video zeigt Bilder, die Gordon bis heute definieren: radikal, körperlich und kompromisslos eigenständig.
