Courtney Marie Andrews nimmt uns nach Ihrer Selbstfindungsreise „Loose Future“ mit auf dunklere Pfade. „Valentine“ setzt sich mit beendeten Beziehungen und dem Tod geliebter Personen auseinander. Es reflektiert Emotionen und Handlungen, um wieder auf einem hoffnungsvollerem Weg zu landen.
Die aus Phoenix stammende, Grammy nominierte Sängerin und passionierte Hobbymalerin hat gemeinsam mit Jerry Bernhardt ein sehr homogenes Album geschaffen, das mit verschiedenen Soundeinflüssen die melancholischen Folkklänge belebt.
Das gelingt sehr gut beim Opener „Pendulum Swing“, das mit Piano und infernalischem Gesangsintro die emotionale Ausnahmesituation klärt. Glücklicherweise schwenkt der Gesang in die Harmonie, mäandert im effektverzerrten Instrumentenreigen und schwingt wie das besungene Pendel hin und her.
Ist man erstmal hypnotisiert, kann „Keeper“ seine Stärke ausspielen. Ein wenig Fleetwood Mac schwingt mit, wenn Courtney Marie Andrews dynamische Tonalität Beziehungen auf die Probe stellt.
Ein Kritikpunkt am Vorgängeralbum ist, dass es mit wenig Experimentierfreude im Folkgenre verlandet. Auch „Valentine“ bleibt den Folkwurzeln treu, wie zum Beispiel beim schwelgerischen, reduzierten „Cons & Clowns“ oder dem storytellenden „Magic Touch“, dessen Titelname speziell auf den wundersam eingängigen Chorus zutrifft.
„Picture Of A Butterfly“ beginnt im Lo-Fi Reigen und wächst zu einem starken Countrysong an. Mit wiedergefundenem Selbstwert wird die Zeit der Selbstreflektion abgeschlossen, was der Song einer Schmetterlingsmetamorphose gleich macht.
Die Stimme von Courtney Marie Andrews ist stets wärmend, mit weicher Stimmlage. Das macht sich speziell bei „Outsider“ bemerkbar. Der eher in Mollklängen verweilende Titel lässt den Chorus schon fast Abba-esk poppig erstrahlen.
Der Rest verweilt als Pianoballade, bevor „Everyone Wants To Feel Like You Do“ mit Drumpuls zur Selbstjustiz greift und zu einem klassischen Folktrack anwächst, der den mehrstimmigen Refrain auf dem Silbertablett präsentiert.
Das kecke Saitenspiel von „Only The Best“ wirkt verspielt, lädt den Gesang ein, es ihm gleich zu tun und findet sein Duett doch mit den orgelnden Klanggimmicks, die Courtney Marie Andrews Bestleistungen begleiten. Der Song ist ein Grower, braucht einige Durchgänge, um im Gehör zu verweilen, will aber dann samt seinem harmonischen Zusammenspiel auch nicht mehr weichen. So ist „Only The Best“ auch der Anspieltipp des Albums, da er als Song das gesamte Album repräsentiert.
Das gefällige, folkige „Best Friend“ darf sich als Abendbegleitung vor dem heimischen Kamin einladen, vor dem sich auch „Hangman“ als akustische Untermalung ganz gut machen würde. Der erste Track schwelgt selbst reflektierend in Emotionen, zweiterer versetzt in Melancholie und sich mit dem Tod auseinander.
Das Schaffen von Courtney Marie Andrews als vielseitig zu bezeichnen wäre falsch. Doch gibt sich „Valentine“ deutlich klangvoller und verspielter als sein Vorgänger.Stimmlich erhaben über die Folkballaden, traut sich Courtney Marie Andrews auch an Poprefrains heran.
Trotz der melancholischen Gesamtthematik gelingt ein sehr homogenes, fast schon in sich ruhendes Album und ein weiterer Entwicklungsschritt für Courtney. Musikalisch und als Mensch.
