Selbstfindung. Ist ja momentan irgendwie total hip. Auch kein Wunder, wenn die Netflix-Watchlist durch war, musste man sich ja irgendwann mal mit sich selbst auseinandersetzen. Die ewig gleichen Stories der Mitmenschen nerven nur. Vielleicht einer der Gründe, warum sich Courtney Marie Andrews in ein Strandhaus zurückgezogen hat und zwischen morgendlichen Strandspaziergängen, nervigen Möwen und abendlicher Meditation zu sich und ihrer Musik gefunden hat.

Die junge amerikanische Künstlerin ist schon mit Lorbeeren behangen. Was als Keyboarderin bei Jimmy Eat World begann, mit dem Belgier Milow im Duett sich fortsetzte, brachte letztendlich eine Grammy-Nominierung hervor. Die Musikerin aus Seattle ist bereits seit ihrem Erstlingswerk “Honest Life” in ihrer Heimat sehr gefragt, den Durchbruch in Europa erhofft sie nun, mit dem vierten Longplayer “Loose Future” zu erzielen.

Der Sound ist folkig im Americana verwurzelt, trippelt durch Countrygefilde und kann allgemein mit durchdachtem, gefühlvollem Textwerk gefallen. Courtney Marie Andrews ist selbstreflektiert und optimistisch gestimmt, was den luftigen Titeltrack “Loose Future” und den folgenden Song “Older Now” bereits ordentlich Wohlfühlatmosphäre zaubern lässt. Faszinierend wie ihr warmes Organ mit der instrumentalen Vielfalt schwingt.

Andrews klingt gesättigt reif, wenn sie schwermütige Gitarrensaiten eine gescheiterte Beziehung zerpflücken lässt ( “On The Line” ), mit wogenden Streichern ins Vibrato abgleitet, nur um engelsgleich dem “Satellite” hinterherzujagen.

Die Akustikgitarre strahlt mit den Sternen um die Wette, und flirrende Synthesizer lassen die ISS klanglich untermalt durchs Bild zuckeln. Solche stimmungsvollen Bilder vermag Courtney Marie Andrews immer wieder vors geistige Auge zu zaubern.

Die hohe Kunst, Emotionen zu transportieren, gelingt ihr bei “These Are The Good Old Days” und “Change My Mind”. Ersteres ist eine harmonische Ode an die Schönheit im Moment, welche stimmig durchs Gehör pluckert.  Letzteres ist eine wogende Klaviernummer mit singenden Gitarrensaiten und einer stimmlich sanftmütigen Courtney Marie Andrews.

Dass “Loose Future” auf hohem Niveau die Freunde von Countrymusik bedienen zu vermag, beweist “I’ll Be Thinkin’ On You”. Der akustikgitarren-getränkte Titel zehrt vom Ohrwurmrefrain und der sich spät öffnenden, orchestralen Inszenierung.

Einer der wenigen Kritikpunkte an diesem Album ist die mangelnde Experimentierfreude. Man verlässt sich auf altbekannte, fast schon traditionelle Rhythmen und Melodien ( “Let Her Go”, “You Do What You Want” ), welche man durch sämtliche menschlichen Empfindungen führt.

“Loose Future” darf sich gerne als Soundtrack für den Herbst verstehen. Für einen sonnigen Tag, an dem ein warmer Wind die letzten Erinnerungen an den Sommer hinwegbläst. Muss ja nicht gleich ein Haus am Strand sein…

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