Steckt man die folgenden drei Zutaten in einen Mixer und schüttelt sie ordentlich durch, kommt eine interessante Mischung heraus: Räucherstäbchen-Party, Trance-Kopfnicken zu Underground-Kraut-Rock und Trommelkurse für die Selbsterfahrung. All das im Shaker ergibt schon seit 1994 den Kula Shaker.

Mit Klassikern wie „Tattva“ und „Govinda“ vom Debütalbum „K“ (1996) spielte das englische Quartett ähnlich wie ihre Brit-Pop-Zeitgenossen Cornershop auf Indien, Hindu-Kultur und Raga-Klangfarben an, sowie auf die spirituelle Transzendenz, diehe 1965 schon The Kinks in Bombay und 1966 The Beatles im Kontakt mit Ravi Shankar erlebten.

Trotz seines abschreckenden Titels ist das nunmehr achte Album „Wormslayer“ ein freundliches, gut zugängliches Werk der Londoner. Gleichzeitig zielt es wohl auf den noch nicht gegründeten internationalen Fanclub der rumpelnden, dominanten Kick-Trommel.

Metaphern wie „Charge Of The Light Brigade“ zeigen, dass Kula Shaker aber nicht nur in der Welt der Sanskrit-Tempelgesänge unterwegs sind, die Sänger Chrispian Mills einst zur Bandgründung inspirierten. Der besagte Song nennt sich so aufgrund eines ganz alten Kapitels im Kampf um die Ukraine – eine desaströse Schlacht auf der Halbinsel Krim vor gut 150 Jahren.

Das Album enthält recht verschiedenartige Tracks. „The Dust Beneath Our Feet“ setzt auf Southern-Rock mit Ähnlichkeit zu J.J. Cale. In „Good Money“ macht sich eine Prise Funk samt ausgelassenem Background-Chor breit.

Lieblicher Folk-Pop, Sixties-Beat und dramatischer Art-Rock zeichnen die Strömungen von „Wormslayer“. Immer feuern die vier Musiker mit Schwung und Kraft vorwärts. Sie nehmen fleißig Verstärker zu Hilfe und bringen Alonza Bevans Bass zum Glühen.

Herzstück der Asien-Liebhaber ist mit „The Winged Boy“ und dem Titelstück die Vertiefung psychedelischer Harmonien und Keyboard-Brodeleien in langen, spannenden Tunes. Hier entfalten die Londoner Exzentriker ihre Kernkompetenz.

Wenn sie halluzinieren, dass Menschen fliegen können, dann unterstreicht Jay Darlingtons Hammond-Orgel den Weg durch die Schleifen in der Flugbahn.

Kula Shaker selbst verleihen sich für ihr mystisch-mythisches „Wormslayer“ Begriffe wie „Metal-Mantra“ – so hart geht es dann jedoch nicht zur Sache – und „Psychedelic Opera“, was gefühlsmäßig schon eher zutrifft.

Insgesamt bleibt die Band so originell wie auch essenziell und zeigt, wie Rockmusik sehr intensive Stimmungen erzeugen und Spannungskurven aufbauen kann. Jeder Track trägt dabei seinen Anteil zur starken Wirkung von „Wormslayer“ bei, und jeder einzelne ist ein Volltreffer.

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