Auf der Packung steht zwar nur Buck Meek drauf, aber ein kreativer Egotrip steckt nicht drin. „The Mirror“, sein viertes Soloalbum, wird in vielerlei Hinsicht von zahlreichen Kooperationspartnern getragen – Freunde und Verwandte, altbewährte wie neue Stimmen.
Natürlich sind die Bandkollegen von Big Thief mit von der Partie: Schlagzeuger James Krivchenia hat die Produktion zu verantworten, Sängerin Adrianne Lenker singt im Hintergrund. Neben ihnen und Meeks Bruder Dylan sind da aber noch viele weitere, die hier gar nicht sinnvoll aufgezählt werden können.
Die stets präsente Akustikgitarre und die Stimme mit dem undefinierbaren Alter stammen natürlich von Meek selbst. Und er erzählt Geschichten. Meistens über Liebe, in welcher Form auch immer sie sich offenbart. Und genauso wie seine Geschichten ist auch der Gesang: warm und hoch, intim und mit kleinen bisschen Twang.
Wer nichts mit Americana anfangen kann, wird davon wahrscheinlich nicht begeistert sein und läuft bei diesem Album Gefahr, es zu schnell abzuschreiben. Je öfter und genauer das Ohr schweifen kann, desto mehr gibt es jedoch zu entdecken, und desto herzlicher klingen all diese Macken und Details.
Keiner der Beteiligten ist puristisch veranlagt, weshalb in den Studio-Sessions viel Raum zum Ausprobieren bestand: Neben Krivchenia sorgen noch drei weitere Schlagzeuger*innen für dynamische Abwechslung.
Der Background-Gesang klingt teilweise zwar schief, aber stets bewusst, und die Synthesizer schwirren entweder subtil, oder sie pluckern wie wissenschaftliche Messgeräte. Gerade die Gitarrensoli brechen die Songstrukturen auf und sich selbst an den verqueren Rhythmen, Effekten und instrumentalen Dopplungen.
Auch wenn die Ergebnisse dieser Experimente streckenweise echt schräg ausfallen, zerfließen sie doch immer in der warmen Aura der Songs. Das Gefühl des gemeinsamen Musizierens strömt einfach aus jeder Zeile und versucht, die Hörer*innen zu umarmen.
Ein – so sehr, wie man das ohne Abwertung meinen kann – durch und durch süßes Album.
