Angesichts zerbröselnder liberaler Werte weht nicht nur der LGBTQIA-Community ein rauer Wind ins Gesicht, kein schlechter Zeitpunkt, für eine Ikone der Bewegung nach zehn Jahren ohne Veröffentlichung ein unüberhörbares Zeichen zu setzen. Merrill Nisker aka Peaches hat Wut und Witz stets provokant vereint und auch dato hat die Kanadierin mit der letzten Vorab-Single „Fuck Your Face“ schon einen klaren wie wenig überraschenden Hinweis darauf geliefert, wie die Inhalte auf „No Lube So Rude“ gelagert sein werden.

Die in dem Track propagierte, ungehemmte Lust an der Lust, die zwischen den fiebrigen Soundschleifen so erregt atmet, als hätte Jane Birkin früher im selben Studio produziert, begleitet die neue Platte über ihre Lauflänge  – „Fuck How You Wanna Fuck“ ist das Leitmotiv der siebten Peaches-Ausgabe, die die sexuelle Selbstbestimmung feiert.

Die Wahlberlinerin hat auf ihren Alben akustisch wie artikulatorisch selten Gefangene gemacht, auch dato fusionieren ihre Inhalte mit Punk, Techno und Disco zu Elektro-Riot, in dem vom Spielkonsolenthema bis Streicher ziemlich alles einprogrammiert ist, was Töne produziert.

Aggressive Beats legen das Fundament für die ungeschminkte Sprache, die bei allem Sarkasmus eloquent bleibt und die Demarkationslinien zwischen privat, Gesellschaft und Politik pulverisiert.

Mit Bass, Tribal-Drums und Background-Gefiepe öffnet „Hanging Titties“ den Vorhang für eine leicht überdrehte Show, in deren Titelstück zwischen Loops und kurz angesetztem Blinken auf die Melodiespur zumindest aus der Ferne der Geist von The Prodigy grüßt.

Der groovige Hüftwackler „Whatcha Gonna Do About It“ lädt unter die Spiegelkugel, spannt sich der Bass für „Panna Cotta Delight“ zur Sprungfeder und fräst das laszive „You`re Allright“ eine tiefe Furche in die Ohrwurm-Tonspur.

„Be Love“ nimmt Space-Pop-Kurs auf und wenn sich „Take It“ einen Hauch Verletzlichkeit leistet bleibt sicher, dass auch diese Nummer als trojanisches Pferd platziert wird.

„No Lube So Rude“ ist vom Cover über die Musik bis zur Peaches-Credibility ein kompromissloses Werk, eine klingend-wehende Fahne auf der Barrikade gegen globales Rückwärtsdenken.

Schreibe einen Kommentar

Das könnte dir auch gefallen

Album

Kate Nash – 9 Sad Symphonies

Login

Werde MusikBlog-Mitglied!

Werde MusikBlog-Fan-Mitglied und du kannst Alben als Favorit markieren und deine eigenen Jahres-Charts erstellen.

Erlaube Benachrichtigungen OK Nein, danke