„Unravel Time“ – Zeit entwirren, auflösen, neu denken. Das klingt nach einem ziemlich esoterischen Projekt. Und das ist es auch, allerdings weniger mit Kristallen und Meditation, sondern mit Musik.
Die schwedische Musikerin Victoria Skoglund, bekannt aus ihren Arbeiten mit Audrey und Mire Kay, legt mit ihrem Solo-Debüt als Viic Woods ein Album vor, das sich Zeit als Konzept vornimmt – und dabei zwischen verträumtem Dream-Pop und grungy Indie-Rock pendelt.
Ein simples Synth-Arpeggio führt uns in „Wasted All Those Years“ ein, die Stimme schwebt sanft darüber, bevor Bass, Drums und Streicher den Song ins Weite öffnen. Es ist ein vielversprechender Auftakt, der zeigt, wo Skoglund am stärksten ist: wenn sie ihrer Stimme Freiheit lässt und melodische Finessen ausreizt.
Das hohe, manchmal leicht müde Timbre erinnert an Künstlerinnen wie Sigrid oder Låpsley, lässt in Sachen Leidenschaft allerdings gelegentlich etwas zu wünschen übrig.
Das Album bewegt sich durch verschiedene Stimmungen: „(Still) Not Enough“ schleppt sich melancholisch dahin, während „Not Impossible“ zum ersten Mal richtig Fahrt aufnimmt.
Bei „When, Now“ sind wir im Indie-Rock angelangt: mit Hall versehene Vocals, Aufbruchsstimmung, Schrammel-Gitarre. Am Ende entlädt sich die rhythmische Spannung und der Song endet in einem Crescendo über den Worten „Running out of time“. Passend, wenn man bedenkt, dass Viic Woods in ihrem konzeptuellen Ansatz nach anderen Zeitrhythmen sucht – jenseits von Effizienz und Profit.
Zwei kurze, gesprochene Interludes – „…Knowing In Our Bones“ und „…Sometimes Seemingly Eternal“ – unterbrechen den Fluss, wirken aber eher zusammenhanglos.
Mit über sechs Minuten ist „Viljan“ der längste Song, eine Slow-Burn-Ballade mit Vogelzwitschern und weit ausgreifenden Drums.
Den Abschluss bildet „Why“, bei dem die Synth-Arpeggios vom Opener zurückkehren und die Stimme wieder in hohen Gefilden fliegt – ein wunderbar träumerisches, melancholisches Ende.
Die Basis für gute, emotionale Indie-Rock-Songs ist definitiv da. Allerdings fehlt oft die Schlagkraft in Stimme oder Lyrics, die das Album wirklich überzeugend machen würde. Die Genre-Inkonsistenz zwischen elektronischem Dream-Pop und rockigeren Passagen kostet den roten Faden.
Für ein Debütalbum zeigt „Unravel Time“ aber durchaus, was möglich ist und, dass hier eine starke Songwriterin am Werk ist. Es bleibt spannend, wohin Skoglunds Weg noch führen wird.
