„Future Quiet“, das mittlerweile 23. Studioalbum von Moby, ist wie eine schmerzhafte Massage für den Geist. Eine Meditation über Verlust und Angst. Und über die Schönheit der Stille inmitten einer Welt aus Geschwätz und Geschwindigkeit.

Schmerz erzeugt Schmerz. Er kann uns in die tiefsten Tiefen unserer Ängste ziehen. Er kann uns aber auch aus dem Karussell der Gedanken reißen, in das uns die Welt mit aller Macht gesteckt hat.

Stille, in ihrer puren Form, ist ein Nadelstich mitten ins Herz unserer Verlorenheit. Stille ist ein Heilmittel. Vermutlich sogar das einzige Heilmittel für einen durch Lärm wundgescheuerten Geist.

Mit „Future Quiet“ führt uns der New Yorker in diese Stille. Aber es ist keine Stille der Zärtlichkeit und der zerebralen Streicheleinheiten. Es ist eine Stille, die uns abschneidet von der Welt. Eine Stille, die uns die Verspannungen mit einem brennenden Schmerz aus den Hirnwindungen drückt.

Mit beinahe sakraler Hingabe widmet sich Moby der Aufgabe, uns an einen Ort zu führen, an dem Stille über alles und jeden herrscht. Herausgekommen ist jedoch kein Ambient-Album, kein Hintergrundgedudel für die heimische Teezeremonie. Es ist ein intensives Erlebnis, in dem sich organische und elektronische Instrumente ineinander verschränken.

Wer mit Moby’s Alben wie „Play“ aufgewachsen ist, erinnert sich an die freudig melancholische Grundstimmung, in die uns Richard Melville Hall, wie Moby bürgerlich heißt, auch diesmal versetzt. Eine Stimmung, die uns frei macht und die sich doch gleichzeitig so schwer und bedeutungsschwanger anfühlt.

In dieser Stimmung liegt man auf dem Bett und lässt die Musik durch die Ohren in den Kopf fahren. Man fühlt die weiche Welle der anbrandenden Gefühle. Und wird schließlich überrollt von der Schönheit des Schmerzes, den das Leben für all jene bereit hält, die den Mut haben zu schweigen.

Am Ende ist „Future Quiet“ eine Zuflucht für alle, die den Lärm des Alltags durch den Schmerz der Stille bekämpfen wollen. Ein Album, das die Verspannungen im Geist lockert. Ganz ohne Klangschalen und Duftkerzen.

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