„A Love For Strangers“. Was für ein Albumtitel in Zeiten, in denen die irrationale Angst gegenüber allem Fremden bei zu vielen Menschen stetig zuzunehmen und in Ablehnung, ja sogar Hass, umzuschlagen scheint. Schön also zu wissen, dass es auch noch Leute gibt, bei denen das anders ist; die die Schönheit des Unbekannten lieben.
Chet Faker wird auf seinem vierten Studioalbum keinesfalls zum Unbekannten. Nach einigen Experimenten, die er unter seinem Geburtstagnamen Nick Murphy veröffentlichte, hüllt er seine Hörer*innen mit „A Love For Strangers“ wieder in diese wohlige, soulige Wärme, die derzeit im Heimatland des Australiers herrscht.
Ein Fünkchen Sonne vom anderen Ende des Planeten kann man in diesen dunklen Tagen hierzulande gerade bestens gebrauchen. Das Spektrum der genreübergreifenden Skala des Albums reicht vom euphorischen Indie-Banger bis hin zur melancholischen Klavierballade.
In „This Time For Real“ setzt Chet Faker die Tasten hingegen ganz anders ein: das jazzig anmutende Up-Tempo-Intro liefert die Startbahn für eine lupenreine Feel-Good-Nummer zum Fensterrunterdrehen. Der eingängige Chorus setzt sich sofort im Gehörgang fest. Es geht um Liebe, Abenteuer, um ein besseres Leben und Selbsterneuerung.
Deutlich introspektiver geht es beim nächsten Song zu. Das spacige Intro ist eine falsche Fährte, denn bei „Can You Swim?“ ist eigentlich Minimalismus das Rezept. Fakers samtige Stimme schmiegt sich perfekt an die getragenen Klavierklänge. Der einfache Beat ist genauso subtil wie die kurzen Streichereinwürfe. Die verzerrten Synthiespielereien, die immer wieder kurz auftauchen, erinnern an The 1975.
„Inefficient Love“ ist das Balladen-Pendant mit Gitarre dazu. Auch hier braucht es nicht viel. Faker hat dieses Händchen für außergewöhnliche Harmonien, die kurz überraschen, sich dann aber völlig organisch in den Song einfügen.
Eines der Highlights von „A Love For Strangers“ ist „Remember Me“. Dieser Song verkörpert die Quintessenz Fakers musikalischen Schaffens: Lässige Beats, eingebettet in eine entspannte Soundlandschaft und dann dieses Saxophon, das sich ein Duett mit dem Gesang liefert.
Allein für diesen Song lohnt sich „A Love For Strangers“ schon.
