Freya Ridings ist die erste Frau in den Top 10 der UK, die einen Song sowohl selbst schrieb als auch performte. Sieben Jahre ist es mittlerweile her, seit „Lost Without You“ und „Castles“ jedes Formatradio bestimmten. Seitdem musste sich die Britin den üblichen Widrigkeiten der Musikindustrie entgegensetzen: „Mother Of Pearl“ ist deswegen auch ganz explizit ein Bestehen auf das Recht auf kreative Selbstbestimmung und dabei kraftvoll und elegant zugleich.
Ridings ist eine Balladen-Performerin. Das könnte man jetzt zum einen aus den großen Hits ablesen, ihrer dafür wie gemachten Stimme entnehmen oder auch aus den Konzerten ableiten.
Und dann eröffnen „Euphoria“ und „Wild Horse“ dieses dritte Album mit aufpeitschenden Trommeln, mit Gospel-Chören, mit Beat getriebener Wucht. Ridings erinnert dabei an Acts wie Paris Paloma, die aus einer kleinen Melodie ein riesiges Gerüst aus Bombast bauen können.
Im weiteren Verlauf merkt man aber schnell: Okay, Ridings ist doch eine Balladen-Performerin. Die Frequenz aus ruhigen Songs, die sich zumindest ab und an an ein großes Finale wagen, senkt den Pulsschlag deutlich. Das ist fraglos wunderschön komponiert und Ridings‘ Timbre ist wirklich jeder Lage vollkommen erhaben.
Zum „Befreiungsschlag“, der das Album aus Patriarchat und unglücklichen Beziehungen sein soll, passt die Dynamik der soulgetragenen Tracks aber doch etwas mehr. Bestes Beispiel ist das außergewöhnliche „Wicker Woman„, das sich mit einer witchy Ästhetik in Folk-Gestrüpp einwickelt.
„Mother Of Pearl“ macht als Pop-Album in „echter DIY-Arbeit“ damit wirklich alles richtig, was sich das Format-Radio wünschen könnte. Klar, Texte wie „euphoria ‚cause I’m a warrior“ oder „I’m breaking chains like a wild horse“ könnten auch aus dem Einmaleins des Empowerment-Pop zusammengeklaubt sein; wenn eine Performerin wie Ridings sie in die Sound-Wände haucht und tost, geht am kraftvollen Kern aber nichts verloren.
Wunderschöne Arrangements, nicht weniger schöne Melodien, selbstermächtigende Lyrics: Ridings behauptet sich mit „Mother Of Pearl“ als gestandene Songwriterin auf ihrem eigenen, sanften Weg, den die Industrie sicher gerne anders gestaltet hätte.
Man kann ihr deshalb nur viel Erfolg für diesen Ansatz in einer aufmerksamkeits-getriebenen Gegenwart wünschen.
