Da hat wohl jemand den Dachboden aufgeräumt. Anders lässt es sich wohl nicht erklären, dass nach 50 Jahren eine Kassette wiedergefunden wurde, auf denen die ersten Songwritingversuche von Chris Difford und Glenn Tilbrook alias Squeeze zu hören sind.

Die 1974 gegründete New-Wave-Band hat sich mit mehreren Chartplatzierungen (unter anderem „Cool For Cats“ und „Up the Junction“ von 1979) und „Pulling Mussels (From The Shell)“ (1980) als Genregrößen etabliert. Nach  einer Reunion 2007 und regelmäßigen Tourneen fand sich nun besagte Kassette wieder.

Im Teenageralter aufgenommen, erzählen Squeeze von einem ominösen Nachtclub namens „Trixies“ und den mindestens ebenso ominösen Handlungen in eben jenem.

Bandbassist Owen Biddle, der unter anderem für The Roots und John Legend an den vier Saiten zupft, hat federführend aus diesen Uraltaufnahmen ein Album gebastelt.

So merkt man den Songs das Alter nur beim Songwriting an, das ganz klar ein Konzeptalbum formt. Songs wie „What More Can I Say“ und „You Get The Feeling“ wirken mit Ihrem verspielten Gitarren und der schäkernden Rhythmik aus der Zeit gefallen und doch eingängig genug, um sich selbst in die Clubszene der 70er, abseits von Disco, zu träumen.

Ob man sich nun am Bartresen Cocktails schlürfend wieder findet oder in der großartigen Pianonummer „The Place We Call Mars“, der Club hat Atmosphäre, auch wenn sich darin so manche Kriminalfälle zutragen. Ein fuzzy Gitarrensolo trägt dazu bei, dass bei diesem Titel nicht nur Elton John ein paar Tränchen verdrücken wird, auch David Bowie würde sich hier wohl an sein Schaffen in den 70ern erinnern.

So begeistern Squeeze mit der flotten Rockoper „Hell On Earth“. Der musicalreife Chorus spielt mit der Songdynamik und zeigt sich klassisch instrumentiert, wenn sich die Hammond ins Nirvana orgelt.

Schade, dass gerade „The Dancer“ dazu wenig Anlass gibt. Auch wenn der Basslauf zum Intro Großartiges verspricht, bleibt der Titel textlastig, aber musikalisch zurückhaltend.

Ganz anders schwoft „Good Riddance“ im hippiesken Blümchengewand durch 70er-Klavierrhythmik und verträumte Poplandschaften. Der Chorus gibt sich eingängig modern präsentiert, der helle Gesang beobachtet das Clubgeschehen, und das gitarrenlastige Spiel dient als Vorbereitung zum folgenden „Don´t Go Out In The Dark“.

Dessen Schrammelintro beschleunigt den an sich schleppenden Titel ordentlich. Die krächzende Gitarre verträgt sich dabei perfekt als Duettpartner zum Gesang, der melodisch harmonisch einwirkt.

Bei „Why Don´t You“ klopfen die 70er mit aller Macht an. Da klingt E.L.O. durch, wenn sich Poprhythmen aus den Saiten schälen und der Refrain zum hochgepitchten Eindringlichkeitsbohrer wird.

Keyboardballaden wie „Anything But Me“ oder das spacig instrumentierte „It´s Over“ sind jedoch nichts, was stark haften bleibt. Nachdem sich letzterer Titel mit schalem Beigeschmack nach einer langen Nacht aus dem Club trollt, packt „The Jaguars“ den Rock´n`Roll aus.

Das Konzept vollendet „Trixies Part One“ und „Trixies Part Two“. Taktvoll instrumentiert darf man hier noch einmal in den 70ern schwelgen. Gitarrensolis kratzen, Pianotasten hämmern rhythmisch und der harmonische Refaingesang schwelgt seltsam entrückt in seiner Poplastigkeit.

Man könnte schon fast ein wenig sentimental werden. Nach 50 Jahren finden sich alte Demoaufnahmen zweier gefeierter Songwriter wieder, die diese, modern aufbereitet, als „Trixies“ präsentieren. Den Entstehungszeitraum der Songs und das jugendliche Alter der Songwriter merkt man den Titeln dennoch an. Dennoch ist das Album eine angenehme Zeitreise.

Schreibe einen Kommentar

Das könnte dir auch gefallen

Album

Moby – Future Quiet

Album

Chet Faker – A Love For Strangers

Album

The Charlatans – We Are Love

Login

Werde MusikBlog-Mitglied!

Werde MusikBlog-Fan-Mitglied und du kannst Alben als Favorit markieren und deine eigenen Jahres-Charts erstellen.

Erlaube Benachrichtigungen OK Nein, danke