Als sich Die Regierung vor knapp zehn Jahren wieder formierte und mit „Raus“ ihr Comeback-Album veröffentlichte, nährte sich die Erinnerung an die Aufklärungsarbeit der Hamburger Schule, obwohl die Band in diesem Bildungsnetzwerk eher lose eingebunden war.

Mit dem Neustart hat sich die Formation um Songschreiber Tilman Rossmy mehrheitlich dem Themenkomplex Liebe verschrieben, der die Folgealben „Was, „Da“ und „NUR“ bestimmte und auch der rote Faden ist, aus dem „Immer Unbekannt“ gestrickt ist.

Dessen Titel beschreibt nicht nur das Mysterium der Gefühle, sondern dient auch als subjektive Selbstauskunft der Protagonisten für ihren Status in der Musiklandschaft.

Über die Kapriolen im Zwischenmenschlichen hat der Frontmann schon kernkompetent in früheren Karriereabschnitten große Texte verfasst, mit der unaufhaltsamen Lebenserfahrung mehren sich Platte für Platte die Perspektiven auf die unerschöpfliche Inspirationsquelle zwischenmenschlicher Aspekte.

Ob homöopathische Veränderungen in „Eine Sekunde Frei“, lebensnotwendiger Vorgang via „Liebe Wie Atmen“ oder als philosophische Abhandlung für „Unbekannt“ – Tilman Rossmy bleibt unaufgeregt und macht selbst „Wenn die Stille in meinem Kopf sich selbst bei einer Lüge erwischt“ – wie es im letzten Song heißt – zum poetischen Ereignis.

Seine Worte sind auf einem differenzierten musikalischen Fundament verankert, in dem alles verbaut ist, was in den gestandenen Musikern an Einflüssen nachhallt.

So gibt es im Opener “ Der Schmerz Bin Ich“ ordentlich Reverb auf die Gitarren und scheppert in der Folgenummer “ Eine Sekunde Frei“ das Schlagzeug, wo anderswo die Orgel Retro-Charme versprüht oder eine Mundharmonika seufzt.

Funkige Die-Sterne-Aura umweht „Heute Ist Ein Guter Tag“, auch „Nie Den Boden Berührt“ ist uneingeschränkt tanzbar.

„Wohin Ich Auch Geh Ich Bin Schon Da“ bohrt das dicke Grunge-Brett, wühlt „Wo Fang Ich An?“ psychedelisch im Krautrock, gibt „Ich Kann Mein Glück Nicht Fassen“ die brummelige Pop-Variation, die ein sich öffnendes Herz mit einer euphorischen Melodie begleitet.

Alle zwei, drei Jahre ein relevantes Album mit tiefgängigen Songs aus dem Ärmel zu schütteln – für Die Regierung kein Problem, schließlich besitzt man als Administration Richtungskompetenz.

„Ich Liebe Niemand“ singt Rossmy im Schlussakkord – was zu beweisen wäre, vielleicht auf der nächsten Ausgabe.

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