Das Zoom ist prall gefüllt am Mittwoch. Schon lang bevor es los geht, sind die Plätze in den ersten Reihen besetzt. Alle wollen Alice Merton sehen, die am gestrigen Abend ihr viertes Konzert auf der gerade erst begonnenen Tour – anlässlich des neuen Albums „Visions“ – gegeben hat.

Dass der Termin in der Mainmetropole ein besonderer ist, hat auch mit Alice Mertons Geschichte zu tun. Auch wenn die 32-jährige Weltbürgerin einst mit dem programmatischen „No Roots“ berühmt geworden ist, gibt es im Hinblick auf ihre Geburtsstadt Frankfurt zumindest einen Hauch von Verwurzelung.

Bevor sie die Bühne betritt, liefert der Support Lias kraftvolle Balladen über das Lost-Sein. Mit starker Stimme, virtuosem Klavierspiel und einer ansteckenden Heiterkeit sorgt er für einen gelungen Auftakt in den Konzert-Abend.

Dann ist es soweit. Alice Merton sitzt plötzlich an einem grasgrünen, mit orangefarbenen Blümchen geschmückten Klavier – und die ersten Takte von „Coasting“ erklingen. Ein guter Opener. Oder anders ausgedrückt: der sanfte Einstieg in eine abwechslungsreiche, energiegeladene Setlist.

Denn neben dem Schwelgen in herzerwärmenden Melodieläufen – etwa auf „Treasure Island“ oder „Landline“ – geht es an diesem Abend auch immer wieder zur Sache. Das an zweiter Stelle gespielte „Visions“ gibt darauf einen Vorgeschmack.

Nach „Mirage“ und „Boogie Man“ greift die hauptsächlich in Kanada aufgewachsene Künstlerin ein erstes Mal auf ältere Tracks ihrer Karriere zurück. Das treibende, pulsierende „Vertigo“ versetzt das altersmäßig breit gefächerte Publikum unwillkürlich in den Hüpf-Modus.

Dass Alice Merton der Kontakt zu ihren Fans sehr am Herzen liegt, wird auch deutlich, als es zur schreienden Abstimmung kommt, welchen Song die gebürtige Frankfurterin mit ihrer Band als nächstes spielen soll. Das vor neun Jahren veröffentlichte „Jealousy“ macht schließlich das Rennen.

Der Fokus des Abends liegt aber dennoch zweifellos auf dem neuen Album. Von „On The Wire“ abgesehen, werden alle Songs gespielt. Alice Merton, Regi Drake (Gitarre), Lucas Heiby (Drums) und Bastian Völkel (Keyboard) gelingt es dabei meisterhaft, die Stärken eines jeden Stücks herauszuarbeiten.

Ergänzt werden die kraftvollen Darbietungen der vier Musizierenden durch die sympathischen Zwischenmoderationen der Künstlerin. Zwischen Deutsch und Englisch changierend gibt Merton Einblick in die Entstehungsgeschichte ihres teilweise in Island produzierten Longplayers.

Wie kurzweilig und schnelllebig dieser Abend ist, wird klar, als das letzte Lied „Marygold“ angekündigt wird. Ist dieses mitreißende Konzert wirklich schon fast wieder vorbei?

Zum Glück gibt es ganz am Schluss noch eine Zugabe, die passender nicht sein könnte. Denn so schön und heimelig es in der Geburtsstadt auch sein mag: Alice Merton ist eine Reisende. „No Roots“, heißt es also zum krönenden Abschluss – die Tour geht weiter.

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