Courtney Barnett zieht von Melbourne nach Los Angeles, ihr Label Milk! Records macht dicht, und sie fragt sich, wie das alles weitergehen soll. Statt die Antwort abzuwarten, hat sie die Frage aufgenommen. „Creature Of Habit“ ist das Ergebnis und es klingt entsprechend: unruhig, ehrlich, und irgendwo zwischen Aufbruch und Orientierungslosigkeit.

Was das Album zusammenhält, ist Barnetts Stimme und ihre unnachahmliche Art, Silben so zu verteilen, als hätte sie den Beat vorher nicht gefragt. Dazu kommen rastlose Drums, die wie ein innerer Monolog das gesamte Album durchziehen, ohne je wirklich zur Ruhe zu kommen.

„Stay In Your Lane“ eröffnet das Album mit prominentem Bass und zerhacktem Gitarrenriff – Barnett auf vertrautem Terrain. „Wonder“ stellt mit einer Stimmfarbe, die an Hayley Williams‚ Soloarbeiten erinnert, die melancholische Grundfrage: „I wonder what you say when I’m not around.“

Die erste Hälfte des Albums ist von stiller Zerrissenheit geprägt. Mit „Site Unseen“ liefert Barnett gemeinsam mit Waxahatchee eine der schönsten Überraschungen – eine charmante Zweistimmigkeit, die auf Anhieb funktioniert.

„Mostly Patient“ fühlt sich dagegen an wie ein Tagebucheintrag: Dinge, die man nach einem Streit oder in einem verletzlichen Moment gerne gesagt hätte, unterlegt von sanftem Gitarren-Picking.

Ab der zweiten Hälfte schleicht sich etwas ein, das sich schwer benennen lässt – ein Gefühl, nostalgisch und melancholisch, als würde man unbeschwert zu einer Musik tanzen, obwohl man eigentlich weinen könnte.

„Same“ ist zweifellos das Herzstück dieser Wendung und ein Highlight des Albums: eine starke Hook trifft auf eine cinematische Synthesizer-Linie direkt aus den 80ern und verleiht dem Song etwas unerwartet Dramatisches.

„Great Advice“ wirkt wie die kleine Schwester von Paramores „Running Out Of Time“ – ironische Lyrics, trashy Gitarren, und Barnett grinst dabei so breit, dass man es fast hören kann.

Den Schlusspunkt setzt „Another Beautiful Day“ mit Vogelgezwitscher und weit entferntem Gesang – ein ruhiger, traumhafter Ausklang.

Courtney Barnett umgeht auf „Creature Of Habit“ klischeehaften Indie-Rock souverän und landet bei introspektiven Liedern, die mal warme Sommergefühle wecken, mal nachdenklich stimmen, aber immer aufrichtig bleiben. Keine Antworten, dafür die richtigen Fragen.

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