Courtney Barnett hat vorgestern gemeinsam mit Waxahatchee ihre neue Single „Site Unseen“ inklusive Musikvideo veröffentlicht. Der Song stammt von ihrem neuen Album „Creature Of Habit“, das am 27. März via Fiction Records erscheint.
Die neue Single wartet vor allem mit einer Besonderheit auf: Harmonien von Katie Crutchfield, besser bekannt als Waxahatchee. Für Courtney Barnett, die sich selbst als großen Waxahatchee-Fan bezeichnet, war das eine ziemliche Ehre.
„Ich liebe Katies Songwriting und ihre Stimme“, schwärmt sie. Allerdings hatte der Song eine holprige Entstehungsgeschichte: Innerhalb von zwei Jahren versuchte Barnett drei Mal, ihn aufzunehmen, und jedes Mal funktionierte es nicht. Erst in der vierten Version mit Crutchfield saß alles. Hartnäckigkeit zahlt sich eben manchmal aus.
Die einfühlsamen Lyrics wecken genau jene Emotionen, die Courtney Barnetts Zuhörer*innen von Anfang an in ihren Bann gezogen haben. „Letting go of everything that might have been / and if we like it here, we’ll stay another year“, singt sie, „let’s figure out the rest another day.“ Diese Offenheit und Akzeptanz des Wandels zieht sich durch das gesamte Album „Creature Of Habit“.
Das Werk verspricht ein kraftvolles, emotional berührendes Erlebnis zu werden, das sich mit einer existenziellen Frage beschäftigt: Wie schafft man es eigentlich, sich selbst nicht dauernd im Weg zu stehen, um das Leben wirklich zu spüren?
Für die Grammy-nominierte australische Singer-Songwriterin war das keine theoretische Übung. Nach ihrem Umzug von Australien nach Los Angeles und der Schließung ihres langjährigen Labels Milk! Records stand sie vor einem großen Scherbenhaufen – zumindest gefühlsmäßig. Statt die Verwirrung zu verdrängen, packte sie kurzerhand den ganzen emotionalen Kram in das Album.
Nach „Stay In Your Lane“, der feurigen ersten Single dieser neuen Ära, zeigt sich nun ein etwas sanfteres Gesicht. Das ist durchaus eine Entwicklung: Während ihr letztes instrumentales Album „End Of The Day“ (2023), ursprünglich als Soundtrack zu der Doku „Anonymous Club“ komponiert, noch laut MusikBlog-Review so klang, als würden „die bissigen Texte meditativen Melodien“ weichen und „aus rotzigem Indie-Rock braver Ambient-Sound“ werden, findet Courtney Barnett hier eine Balance zwischen Reflexion und Kraft.
Das von Juliana und Nicola Giraffe inszenierte Musikvideo zu „Site Unseen“ zeigt zwei Frauen, die ausgelassen durch Felder und die Stadt tollen, ihre roten High Heels gegen Sneakers tauschen, eine skurrile Hochzeit crashen und sich in allerlei bunte und absurde Schlamassels verstricken. Leichtigkeit als Programm, könnte man sagen.
