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Elektronisches Pochen in Kombination mit weiblichen Soul-Stimmen war schon in den 1980ern und 90ern ein großes Thema. Oft fanden die Session-Stimmen nur im Kleingedruckten namentlich Platz, obwohl sie das Fundament für die Atmosphäre der Tracks legten. Lydia Kitto aus Essex arbeitet in London seit fünf Jahren mit Jungle zusammen, einem Duo, das man wahlweise als Kollektiv, Projekt oder Band sehen kann. Ab dem nun vorliegenden Album „Sunshine“ ist sie dort vollwertiges Mitglied, und Jungle sind offiziell zu dritt.

Fürs Kollektiv unter der Regie von Tom McFarland sprechen annektierte, wiederkehrende Kollaborateure wie der Soul-Produzent Inflo. Fürs Projekt spricht die gesichtslos scheinende Arbeitsweise: Die Videos sind in der Regel Panorama-Aufnahmen von vielen tanzenden Leuten im Dunkeln, und diese Gepflogenheit behält die Crew von der Themse bei.

Für eine Band hingegen spricht, dass hier echte Argumente sehr wohl am Zug sind, obwohl das im Vordergrund stehende Genre Elektro-Funk ist, was Songs wie das neue „The Wave“ unmissverständlich verdeutlichen.

Jungle hatten bei Chess Club und bei XL begonnen, veröffentlichen seit 2021 aber auf eigene Faust als Caiola Records und nutzen einige Dienstleistungen des Label-Services AWAL (Artists Without Any Label). Einst als Bei klassifiziert, passt dieses Etikett heute nicht mal im Ansatz.

Gerne sorgen Jungle dabei auch für ein Maximum an Tiefton-Resonanz, wie in der bezirzenden Verführungsanleitung „Natural“ und bereits im eröffnenden „Come Back To Me“, das außerdem mit dem Stil von 79.5 und Say She She Parallelen aufweist.

Drum and Bass mischt sich zumindest in Spurenelementen ebenfalls ins Geschehen, etwa bei „Carry On“ – wie sollte es bei englischer Club-Musik inzwischen auch anders sein?

Lydia hat bei Jungle in der Vergangenheit schon Querflöte, Lead- und Bassgitarre beigetragen, ebenso Schlagzeug, E-Orgel und das Programmieren der Sequencer. Was sie ausnahmsweise nicht spielt, sind Geigen, die das Schlusslied „Heavy On My Soul“ sehr prägen und etwas zu arg überzuckern, freilich aber in Tradition zu den Siebzigern stehen.

Feiner dosiert und weitaus dichter an der Soul-Geschichte klingen die Streicher im Titelstück, wo ihnen Pitch- und Echokammer-Effekte frei nach Daft Punk einen willkommenen Kontrast setzen.

Als Co-Produzentin verleiht Lydia Kitto dem Jungle-Album jetzt einen nostalgischen Aspekt, das Grundgefühl, dass es überschäumend viel Liebe auf diesem Planeten gibt – wenn man diese nur wach kitzelt.

Insbesondere das mitreißende, behutsame „Reflection“ und das hypnotische Highlight „Someday, Somewhere“ versprühen diese Zuversicht aus einer Ära, als Nile Rodgers, Sister Sledge und Kool Bell mit seiner Gang überzeugt wirkten, die Welt mit Disco besser und toleranter zu machen.

Mit „Sunshine“ gelingt ihnen ein sonnendurchflutetes und munteres Werk voller Abwechslung und kurzer Stücke mit eingängigen Melodien, das sich bei weitem besser austariert als der Vorgänger „Volcano“ anhört und mühelos Spaß macht.

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