Faravaz hat vorgestern ihre neue Single „Butterfly“ veröffentlicht. Neben der Hauptsingle sind außerdem eine Akustik-Version, ein Instrumental und ein Remix des Tracks erschienen, die gemeinsam die „Butterfly“-EP ergeben.
Was hinter dem Song steckt, ist so vielschichtig wie die Künstlerin selbst. Faravaz, die 1990 in Teheran geborene Sängerin, Songwriterin und Aktivistin, die heute im Berliner Exil lebt, hat mit „Butterfly“ nicht einfach einen weiteren Track veröffentlicht, sondern eine kollektive Stimme erschaffen.
Rund 15 FLINTA*-Sänger*innen und Rapper*innen wirkten an der EP mit, darunter Namen wie Jennifer Weist (Yaenniver), Sookee, Mine und Lin, sowie der D-Dur Dykes, dem größten FLINTA*-Chor Europas.
Fast alle Beteiligten sind queer und FLINTA* – was dem Projekt eine Glaubwürdigkeit verleiht, die sich nicht inszenieren lässt.
„‚Butterfly‘ handelt davon, Systeme zu überleben, die versuchen, uns auszulöschen – und davon, Stärke in kollektiver Sichtbarkeit zu finden“, sagt Faravaz. Ein Satz, der schwer wiegt, wenn man weiß, dass die Künstlerin im Iran verhaftet wurde, weil sie sich dem dortigen Gesangsverbot für Frauen widersetzte.
Wer das Fundament verstehen will, auf dem diese EP steht, sollte einen Blick auf Faravaz‘ Debütalbum „Azadi“ von 2025 werfen: MusikBlog attestierte ihm im Review eine „Verbindung aus fetter Produktion, kompromissloser Attitüde und einer ganz eigenwilligen Sound-Welt“ – und „Butterfly“ knüpft dort nahtlos an.
Die EP umfasst neben dem Haupttrack einen Remix, eine Akustik-Version und eine Instrumentalversion – jede davon betont andere Facetten: Solidarität, Verletzlichkeit, Widerstand, Reflexion. Wer also meint, eine EP mit vier Versionen eines Songs sei faul, hat die Idee dahinter noch nicht verstanden.
Den Rahmen bildet der diesjährige Trans Visibility Day am 31. März – kein zufälliges Datum. Denn der neue Song richtet sich explizit an queere Menschen in den rund 64 Ländern weltweit, in denen gleichgeschlechtliche Beziehungen noch immer kriminalisiert werden. In einigen davon droht dafür die Todesstrafe.
Faravaz verbindet in ihrer Musik Alternative-Pop mit orientalischen Einflüssen und nutzt beides als politisches Ausdrucksmittel – spätestens seit „Azadi“ ist das international anerkannt.
„Butterfly“ setzt diese Arbeit konsequent fort: als Raum der Zugehörigkeit, als klingende Antwort auf Systeme der Angst. Und als Beweis, dass Stimmen aufsteigen – auch wenn man versucht, sie zum Schweigen zu bringen.
