Schon der Titel „Nothing To Lose“ von Marc Atlas wirkt wie eine selbsterfüllende Prophezeiung: Hier wird tatsächlich nichts riskiert, nichts gewagt, nichts verloren; aber eben auch nichts gewonnen.

Statt künstlerischer Neugier bekommt man glattgeschniegelten Pop. Das Ganze rauscht vorbei wie Hintergrundmusik im Wartezimmer, angenehm genug, um nicht zu stören, aber viel zu egal, um hängen zu bleiben.

Dass es sich um ein Debütalbum handelt, macht die Sache fast schon irritierend. Ist doch gerade der erste Longplayer normalerweise der Moment, in dem jemand alles reinwirft, was er hat: Ecken, Kanten, Ideen, vielleicht auch ein bisschen Chaos.

Hier dagegen klingt es, als hätte man von Anfang an den Rotstift angesetzt und alles entfernt, was auch nur im Ansatz nach Persönlichkeit riecht.

Was besonders auffällt, ist die klinische Glätte, die sich durch „Nothing To Lose“ zieht. Es lebt nichts, es atmet nichts, es fühlt sich alles wie unter einer dicken Schicht Plastik eingeschweißt an.

Man könnte das problemlos im Kaufhaus laufen lassen oder unter eine Zahnpasta-Werbung legen, ohne auch nur eine Sekunde das Gefühl zu haben, dass hier eigentlich Musik mit Anspruch laufen sollte.

Und dann ist da dieses latente Gefühl, dass das alles nicht zufällig so klingt. Vielmehr wirkt es, als würde hier jemand ganz bewusst auf Nummer sicher gehen, als hätte man den großen Major-Deal schon im Hinterkopf und wolle bloß nicht anecken.

Das Ergebnis ist ein Sound, der niemandem weh tut, aber eben auch niemanden interessiert: Geschniegelt, angepasst und komplett austauschbar.

Am Ende bleibt ein Album, das erstaunlich wenig über den Künstler verrät, aber ziemlich viel über seine Strategie. Statt sich vorzustellen, versteckt sich Marc Atlas hinter einem Sound, den man so oder so ähnlich schon hundertmal gehört hat.

„Nothing To Lose“ mag nichts verlieren wollen, verliert dabei aber genau das, was ein erstes Album eigentlich haben sollte: eine eigene Stimme.

Schreibe einen Kommentar

Das könnte dir auch gefallen

Album

FLØRE – Scarytale

Login

Werde MusikBlog-Mitglied!

Werde MusikBlog-Fan-Mitglied und du kannst Alben als Favorit markieren und deine eigenen Jahres-Charts erstellen.

Erlaube Benachrichtigungen OK Nein, danke