Seit 19 Jahren warten Fans auf dieses Album. Denn gar nicht lange nach der Veröffentlichung ihres Debüts „Voxtrot“ (2007) lösten sich die Indie-Rocker aus Austin, Texas auf. Nach 12 Jahren Schaffenspause dann die erfolgreiche Reunion, jetzt gibt es wieder neue Musik.
Zu ihrer Hochphase haben Voxtrot einen gewissen 2000er-Indie-Warm-Glow mitbeeinflusst, der sich in ihrer Musik prototypisch niedergeschlagen hat. Die Musik machte warm ums Herz und ging gleichzeitig nach vorne.
Die Indie-Landschaft hat sich seitdem verändert, ihre Protagonisten scheinen aber nicht im gleichen Tempo mitgewachsen zu sein. Obwohl: Bassist Jason Chronis gehört das Studio, in dem „Dreamers In Exile“ entstanden ist, die Produktion lief unter Eigenregie und auch das Label Cult Hero Records leitet die Band selbst.
Eindeutig wissen und können sie mehr als damals; ihre Songs klingen trotzdem seltsam aus der Zeit gefallen. Und ein weitaus größeres musikalisches Problem kristallisiert sich bereits nach zwei Songs heraus: Ihre interessantesten Parts macht sich die Band regelmäßig zunichte, indem sie sie auf maximale Eingängigkeit glattbügelt.
„Another Fire“, die erste Single nach der Reunion, beginnt das Album mit mysteriösen Klängen, Schellen und Vibraphon, bevor Gesang, Gitarren und Klavier auf eine gradlinigere Struktur zusteuern.
Im nahtlos anschließenden „Fighting Back“, versprechen Synthesizer-Schnipsel, monotoner Bass und stumpfer Beat düstere 80er-Stimmung. Der Refrain hat jedoch ganz andere Pläne; er klingt auf ganz oberflächliche Art beinahe euphorisch.
Der Gesamtklang bleibt zwar angenehm, aber dieses Schema wiederholt sich auf dem Album zu häufig. Frischen Wind sucht man darin vergeblich. Und ihren eigenen, am Alter gereiften Texten werden Voxtrot damit auch nicht gerecht.
Ein aufdringliches Kopfkino verortet die 11 Songs regelmäßig in Szenen vorhersehbarer Liebesfilme, oder stellt sich die Frage, ob Voxtrot auch ein gutes Weihnachtsalbum schreiben könnten.
Wer sich nach einer besseren Zeit zurücksehnt, in der Filesharing und Blogs noch relevant waren, und in der „Dreamers In Exile“ wahrscheinlich ein riesiges Ding gewesen wäre, wird dem Album sicherlich viel abgewinnen können.
Ansonsten bleibt nur die Hoffnung, dass sich Voxtrot auf der anstehenden Tour verstärkt ihrem alten Material widmen werden, denn das neue wird keine Show tragen können.
