Der Wu-Tang Clan gibt sich ein letztes Mal die Ehre. Mit “Wu-Tang Forever: The Final Chamber” befinden sich die Samurai-Rapper aus New York City auf ihrer großen Abschiedstournee rund um den Globus. Dabei darf auch ein Abstecher in die Kölner Lanxess Arena nicht fehlen.

Das mit Spannung erwartete Konzert vereint die heilige Dreifaltigkeit des gepflegten East Coast Hip-Hop, wie ihn nur der Wu-Tang Clan verkörpern kann: amerikanische Lässigkeit, asiatisches Flair und eine ganze Menge gutes Gras. Diese gnadenlos gechillte Mische ist das Erfolgsrezept des Rap-Kollektivs um RZA, Method Man und Ghostface Killah.

Die Bühne der Lanxess Arena wird am gestrigen Abend zum Kino. Auf einer riesigen Leinwand laufen Szenen, die an Martial-Arts-Filme der 60er und 70er Jahre erinnern. Eingerahmt wird der Auftritt von mächtigen Säulen, um die sich die schuppenbewehrten Körper von asiatischen Drachen schlängeln. Es ist ein Fest aus Farben und Sound, und wie immer wabert auch ein Hauch von B-Movie-Stimmung durch den Raum.

Es herrscht ausgelassene Stimmung. Allerorts sieht man Kappen, Shirts und Hoodies mit dem ikonischen „W“ des Wu-Tang Clan. Der Altersdurchschnitt des Publikums dürfte sich jenseits der 40 bewegen, was aber die Qualität des Konzerts nur steigert. Man merkt, dass hier eine ganze Generation von Fans ihren Idolen aus den Staaten entgegen fiebert und mit einem lachenden und weinenden Auge die Vollendung von über 30 Jahren Bandgeschichte feiert.

Die Show ist bewusst wie ein Theaterstück aufgebaut. In vier Akten wird die Geschichte des Clans und seiner Mitglieder erzählt. Beginnend beim rohen Sound der frühen 90er Jahre über die Solo-Ära bis zu den großen Hymnen, an die sich wohl jeder im Publikum gerne zurück erinnert. Dadurch wirkt das Konzert nicht wie eine Aneinanderreihung beliebiger Songs, sondern wie eine sorgsam orchestrierte Retrospektive.

Mit „Sunlight“ vom 2007er Album „8 Diagrams“ eröffnet RZA die Show und heizt der angereisten Menge ordentlich ein. Dazu geht hinter ihm stilecht eine gigantische Sonne auf, die das Publikum in warmes Ocker taucht und ihm die nötige Wärme an einem etwas kühlen und verregneten Märzabend schenkt.

Darauf folgt „Bring Da Ruckus“, und die Abrissparty in der Kölner Konzerthalle geht weiter. Vor einem verlassenen Tempel zelebrieren die amerikanischen Rapper ihre Kunst und feiern gleichermaßen das Publikum. Die Filmszene wie aus einem Shaolin-Kungfu-Film wird komplettiert durch moosbewachsene Ziegelwände und mysteriös beleuchtete Steinlöwen.

In diesem Akt rappt der Wu-Tang Clan überwiegend Songs aus dem 1993er Debütalbum „Enter the Wu-Tang (36 Chambers)“. Hier finden die Fans den klassischen Clan-Sound und schunkeln vergnügt im Takt von „Wu-Tang Clan Ain’t Nuthing ta F‘ Wit“. Das ist Nostalgie pur.

Die Wu-Tang-Zeitmaschine bringt uns im zweiten Akt in die Mitte der Neunziger, als einzelne Bandmitglieder wie Ghostface Killah und Method Man bahnbrechende Solo-Alben herausbrachten. Hits wie „Holla“ und „Bring the Pain“ lassen den Saal kochen. Damit zeigt die Crew, dass auch in Zukunft mit der geballten Kraft dieser Solo-Titanen zu rechnen ist.

Im dritten Akt wird es dann kultig. Mit Tracks wie „Liquid Swords“ und „4th Chamber“ zeigen vor allem RZA und sein Cousin GZA ihr Können. Hier werden die Hardcore-Fans bedient, die die künstlerische Tiefe des Wu-Tang-Universums zu schätzen wissen.

Im großen Finale feuert der Wu-Tang Clan noch einmal aus allen Rohren. Hier springen die Fans vor Freude zum Song „Triumph“ aus dem 97er-Album „Wu-Tang Forever“, das zu Recht als eines der besten Hip-Hop-Alben aller Zeiten gefeiert wird. Und keine Setlist der New Yorker Crew ist komplett ohne „C.R.E.A.M.“, dem wohl meistgestreamten Wu-Tang-Song überhaupt. Dieser Akt ist das emotionale Abschiedsfinale.

Im Anschluss kommt noch einmal der gesamte Clan auf die Bühne und verabschiedet sich unter tosendem Applaus und einem gemeinschaftlich gerufenen „Peace“.

Dass an diesem Abend die Ränge der Kölner Lanxess Arena nicht bis auf den letzten Platz ausverkauft sind, tut der guten Laune keinen Abbruch. Im Gegenteil: Man fühlt sich eher wie auf einem exklusiven Geheimkonzert, zu dem wenige Auserwählte eingeladen wurden. Nur, um dann einfach all ihre Freund*innen mitzubringen. Zurück bleibt das bewegende Gefühl, ein Stück Musikgeschichte hautnah miterlebt zu haben.

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