Vier Jahre sind vergangen, seit der irische Singer/Songwriter Dermot Kennedy sein zweites Album „Sonder“ veröffentlicht hat. Damalige Zeitgenossen wie Harry Styles, Lewis Capaldi oder Ed Sheeran, denen Dermot nacheiferte, haben sich seither in verschiedene Richtungen, und zu unterschiedlichen Graden, weiterentwickelt:

Sheeran ist auf der Suche nach Inspiration globaler geworden, Styles exzentrischer (um nicht zu sagen: „wilder“) und Capaldi in seiner Emotionalität noch bombastischer.

Dieser neue, britische Pop verändert sich, und es ist auch höchste Zeit dafür gewesen. Nur Kennedy scheint den Schuss überhört zu haben. Der Zug ist ohne ihn abgefahren, und so singt er seine neuen Songs traurig und alleine in der Bahnhofsvorhalle.

Hauptsächlich dreht sich „The Weight Of The Woods“ um verflossene Liebe und verpasste Chancen. Sollte es einen doppelten Boden, oder zumindest eine tiefere Ebene geben, lenkt Kennedy erfolgreich davon ab.

Dramatische Titel wie „Funeral“ stellen sich nur als „funeral for heartache“ heraus. Das flächig verhallte Zwischenspiel in „The Only Time I Prayed“ wäre ein Highlight des Albums – wäre der Anlass zum Beten nicht schon wieder ein gebrochenes Herz.

Am Ende fragt man sich, ob der Titelsong tatsächlich als Reflexion über Leben und Vergänglichkeit zu verstehen ist, oder ob Kennedy mit diesem Song eine weitere Trennung verarbeitet.

„The Weight Of The Woods“ schmeckt wie Zuckerwatte. Am Kirmesstand sah es noch appetitlich aus, aber nachdem man 50 Minuten lang auf rosarotem Nichts herumgekaut hat, wünscht man sich, doch lieber eine richtige Mahlzeit gegessen zu haben.

Gerade bei schlechter Laune (zum Beispiel wenn man an einem gebrochenen Herzen leidet) braucht es eben genau diesen Geschmack. Aber es bleibt auch nichts davon hängen, und eigentlich verlangt der Körper nach etwas anderem.

Hoffentlich fährt bald von einem anderen Gleis noch ein verspäteter Zug extra für Dermot Kennedy. Und hoffentlich findet er den Weg dorthin, bevor der Magen vor lauter Frustessen anfängt zu rebellieren.

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