Hexen gegen das Patriarchat: Die Singer/Songwriterin lùisa schließt sich mit ihrem vierten Album „Call Me The Witch“ einem popkulturellen Kult an. Auf neun Songs verbindet sich das Mystische mit dem Widerstand zu einem kraftvollen Drama.

Erstmals übernahm die Hamburgerin auch die Produktion und dieses Album zeigt: Ab jetzt bitte immer so. In der Produktion machen selbst etablierte Szene-Künstler*innen dieser Platte nichts vor.

Streicher, Field Recordings, Chöre, Gitarren-Wände und natürlich lùisas Stimme winden sich in ein entrücktes Dickicht aus einer anderen Welt. Gegen diese Atmosphäre kommt kein Hexenjäger an.

Wer lùisa bisher noch nicht auf dem Schirm hatte, sollte es also mit diesem Longplayer. Vor allem die Personen mit Miya-Folick– und Fleetwood-Mac-Alben im (digitalen) Regal finden hier ein gleichzeitig düsteres wie auch melancholisches Werk mit einer Urkraft im Zentrum.

Storytelling und Songwriting bleiben dem folkigen Indie treu. Der Klimax-Treiber: immer wieder wird aus der Einzel-Hexe ein ganzer Hexenzirkel, der sich mit großen Melodien vor der Finsternis erhebt.

Inhaltlich bringt nicht nur „Magical Female Rage“ das Patriarchat auf den Scheiterhaufen. Es könnte gar das Wort ‚Konzeptalbum‘ in diesem Atemzug fallen, so ausgiebig wie lùisa sich der Thematik widmet.

Als Gesamtkunstwerk macht „Call Me The Witch“ so oder so eine wirklich epische Figur. Besser könnte die Zeit dafür auch gar nicht sein. Die feministische Bubble, die Hexen nicht als lustige Frauen mit Spitzhüten und Besen, sondern vor allem als mythologische Abbilder patriarchaler Unterdrückung aufladen, ist nicht nur ein Social-Media-Phänomen, sondern auch ganz aktuell Teil der Indie-Branche.

lùisa gehört mit diesem Album deswegen ganz konsequent an die Seite von Künstlerinnen wie Florence + The Machine und Paris Paloma, die in Klang und Aussage geeint sind.

In diesem Reigen fühlt sich die Platte wohl und entfaltet seine ganze Bandbreite: Der Titeltrack reclaimt das Schimpfwort ‚Hexe‘ als eigenes Erbe, der Opener „My Love Is Easy“ baut vor unheimlichen Background-Sounds Druck auf toxische Machtstrukturen aus und „Magical Female Rage“ sagt viele wunderbare Dinge über Männer in der Musikindustrie, beispielsweise: „You believe in nothing but your excel sheet“.

Man möge „Call Me The Witch“ auf der Tour genießen und für die Hexen-Saison im Herbst in guter Erinnerung behalten – Songs wie das flirrende, elektronische „Summer In The Woods“ konterkarrieren die herbstliche Schwere aber mit einer exzentrischen Unbeschwertheit à la Sylvie Kreusch und machen das Album schon jetzt zum Höchstgenuss.

Ganz unbedingt anhören!

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