Eine Kollaboration, um die Untiefen musikalischer Subgenres auszuloten: Wenn die Sludge-Metal-Veteranen der Melvins, die beinahe mal einen Gitarristen namens Kurt Cobain in die Band aufgenommen hätten, auf die Grindcore-Rebellen von Napalm Death treffen, entsteht sicher keine radiotaugliche Musik.
Melvins, die seit ihrer Bandgründung vor über 40 Jahren mehr als 30 Alben aufgenommen haben und nicht unbeteiligt am Entstehen des Grunge-Phänomens und der bestimmenden Band Nirvana waren, touren mittlerweile mit Napalm Death. Die gibt es ähnlich lange und sie haben sich den Ruf erarbeitet, nicht nur kompromisslos harten Grindcore-Death-Metal zu spielen, sondern tatsächlich so etwas wie ein Einhorn ihres Genres zu sein.
Nun also das Album „Savage Imperial Death March“, das gemeinsam mit allen Beteiligten eingespielt wurde und auch den vermeintlich wunden Crossover-Punkt offenbart.
Der Opener „Tossing Coins Into The Fountain Of Fuck“ ist ein wuchtiges Brett aus Napalm Deaths ohrenzerfetzendem Speed und den trägen Riffs der Melvins. Bestimmt von Mark Greenways Shouts, mäandert der Track crossovernd in Richtung Mastodon.
Das folgende „Some Kind Of Antichrist“ bietet mit Buzz Osbornes asthmatischem Einsatz und Greenways rachitischem Urzeitgebrüll die ideale Unterlage für beackerte Riffs und einem Basslauf aus der Hölle. So etwas wie Akkorde fräsen sich durch den „lieblichen“ Duettgesang, der auf über neun Minuten Spielzeit tatsächlich keine Längen hat und mit allerlei Ideen aus der Melvins-Stilmittel-Vielfalt punkten kann.
Danach wird es abseitig. „Awful Handwriting“ klingt wie durch die Kloschüssel aufgenommen. Spratzelnd und blubbernd wird hier zwei Minuten lang Akustikkakophonie geboten.
„Nine Days Of Rain“ lockert das Tempo und wird zum sphärischen Drogentrip, der bei „Rip The God“ endet. „A tiny world of incredible noise“ trifft ganz gut, was die Zusammenarbeit hier bewirkt. Wummernd der Bass, schwerfällig die Riffs und mittendrin am Nervenkostüm zehrende Shoutparts.
Später wütendem Gekreische weichend wird das gemeinsame „Stealing Horses“ zur Belastungsprobe. Klassische Metalriffs reiten auf wilden Mustangs wie die Hunnen durch Osteuropa. Greenway peitscht den zum wilden Derwisch werdenden Titel ein, bewahrt sich trotz all der instrumentalen Wucht eine gar chaotisch hymnische Melodie, die neben „Some Kind Of Antichrist“ zum Höhepunkt der Kollaboration zählt.
„Comparison Is The Thief Of Joy“ darf als Klangexperiment zwischen choralen Gesangseinsätzen, wildem Elektrogefrickel und Doom-Metal-Anleihen verstanden werden und gilt wohl als Verschnaufpause vor der „Death Hour“.
Der letzte Albumtrack feuert nochmal aus allen Kollabo-Rohren. King Buzzo und Mark Greenway reiten gemeinsam auf dem arhythmischen Soundgerüst aus Bass und Drums, zerfrickeln sämtliche Ansprüche an Melodie auf sägenden Gitarrensolis und finden sich schon bald im Höllenschlund aus Kriegsgebrüll und wirrem Gestammel wieder. Dass man gerade dort dann auch auf Van Halens Keyboard-Intro stößt, verwundert auch niemanden mehr.
„Savage Imperial Death March“ marschiert unbeirrt durch sämtliche Möglichkeiten, die diese Zusammenarbeit bietet. Zwei Veteranen ihrer Genres, die stets auch die Grenzen zum Extremen ausgetestet haben, schließen sich zusammen und machen daraus ein Werk, bei dem man nicht so recht weiß, ob man darauf gewartet hat und ob es das überhaupt braucht. Weghören kann man aber auch nicht.
