Remote Bondage liefern mit „Good Girl” feministischen Punk. Ohne Feminismus und ohne Punk. Und beweisen damit, dass auch ein Debütalbum sich bereits anfühlen kann wie musikalisches Malen nach Zahlen.

Dieses Album hört sich an wie eine Folge mit Bibi und Tina. Alles wirkt unwirklich unlustig. Alle lachen verkrampft, niemand scheint so richtig Spaß zu haben. Das beginnt schon mit „Ode an die Periode“. Da singt jemand von Regelblutung. Und lässt es so wirken, als wäre dieses längst nicht mehr aufpeitschende Thema der Schocker des Jahrhunderts.

Andere Tracks arbeiten sich an Klischees aus Erstsemester-Zeiten ab. Da gleicht der Tellerturm im Spülbecken der WG-Küche dem Burj Khalifa. Und im Bad hat jemand vergessen, nach der Druckabfuhr das Sperma runterzuspülen.

Insgesamt wirkt das Werk der fünf Berliner*innen wie eine Checkliste von Flachwitzen, die mit erhobenem Moralmittelfinger auch noch dem Letzten in die empfangsbereite Ohrmuschel gedrückt werden. Mit all dem pädagogischen Charme einer Soziologievorlesung an einem Montagnachmittag.

In krassem Gegensatz dazu steht die Produktion von „Good Girl“. Die Musik ist handwerklich überzeugend und lässt auch in der Rhythmussektion kaum Wünsche offen. Der Bass spielt so herrlich beherrschend, dass es beim Hören eine wahre Freude ist.

Die Songs auf der Platte schlittern angenehm betüddelt zwischen Punk, Pop und Cabaret und lassen mit ihrer hohen Qualität zumindest ein großes Stück weit die inhaltliche Verkrampftheit der besungenen Themen vergessen. Es ist ein Wechselbad der Gefühle:

Einerseits liefern Remote Bondage ein technisch gelungenes Album ab, das eine große Bandbreite an Hörer*innen abholen dürfte. Andererseits erinnert der Humor an einen Darsteller in Erwachsenenfilmchen, der erst auf Kommando seine Ladung abschießen darf. Es wirkt unauthentisch und aufgesetzt.

„Good Girl“ ist ein Erstling, dem man sein feministisches Sendungsbewusstsein definitiv abnimmt. Es ist das Album einer Band, die versucht, sich nicht allzu ernst zu nehmen. Nur, um dann doch mit krampfigen Klischees aufzuwarten.

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