Ein Melodiefragment wird zur instrumentalen Breitseite, ein mantrahaft wiederholter Satz zum Befehl: „Rest now, weary head, you will get well soon“. 2008 war es, als Konstantin Gropper alias Get Well Soon mit seinem Debütalbum die Musik-Welt in Aufruhr versetzte, der Absolvent der Mannheimer Popakademie mit seinem Projekt und flächigen Arrangements vom Kaliber „I Sold My Hands For Food So Please Feed Me“ für die Zukunft Großes erwarten ließ.
Und er hat geliefert, hat auf sieben Alben Pop und orchestrale Inszenierungen fusioniert, für Arte und Arthaus-Kino komponiert, für Casper produziert und sich in einer musikalischen Sprache ausgedrückt, unter deren glitzernder Oberfläche immer auch der morbide Charme der Vergänglichkeit lauerte.
Für „Minus The Magic“, das erste von zwei neuen Alben in diesem Jahr, hatte der Protagonist, der inmitten seiner Vierziger im Blick zurück seinen persönlichen und künstlerischen Werdegang reflektiert, sich an Schlüsselmomente erinnert und die „neue Dummheit“ der Welt in seine Texte einpreist, eine neue Idee auf Lager:
Live mit der vollen Kapelle eingespielt, verzichtet die Platte auf eine opulente Ausstaffierung, lässt punkige Ungeschliffenheit zu und fesselt mit dem Opener „The 4-3 Days“ direkt mit teenage riot Aura in schnörkelloser Strophe-Refrain-Atmosphäre.
„The Golden Toilet Heist“ gibt rotzigen Riffs Spielraum, „When They Cheer You`re Wrong“ und „Staying Home“ geben ordentlich Gas, und obwohl weitestgehend entkernt, ist es auch hier die Groppersche Eleganz, die aus dem Gros der Nummern mehr als einen Rock-Song macht, aus „Here`s Some Feedback“ einen Schwebezustand und aus „Sci Fi Gulag“ eine Reise durch Klang und Raum generiert.
Der Schöngeist hatte bereits der Vorab-Single „A Night At The Rififi Bar“ Hitpotential eingeimpft, das geschmeidige „The Pope Washed My Feet In Prison“ ist mit ähnlich unwiderstehlichen Drive unterwegs und lässt an den „Indiepapst“ Phillip Boa denken, der in den Neunzigern unablässig nach dem perfekten Popsong forschte.
Auch wenn sich das Album laut dem Protagonisten an „Menschen mittleren Alters“ richtet, werden alle oberhalb und unterhalb dieser individuellen Messlatte an der juvenilen Frische von „Minus The Magic“ ihre Freude haben.
„That`s Not Me!“ singt Konstantin Gropper am Ende und hat mit „SÉANCE“ für den Herbst bereits einen Nachfolger angekündigt, der Gropper-like sicher wieder ganz anders als der Vorgänger konzipiert sein wird.
