Iceage steuern auf ihrem siebten Studioalbum „For Love Of Grace And The Hereafter“ den Punk-Dampfer stilsicher durch Gewässer von Wohltönen und Misstönen. Der dänischen Band um Frontsänger Elias Bender Rønnenfelt weht auf der Fahrt frische Luft um die Nase. Herausgekommen ist eine erwachsene Platte mit einer Menge Tiefgang.

Iceage reihen sich in die Ahnenreihe von Künstlern ein, die die Flamme des Punk weitergetragen haben, ohne seine Asche anzubeten. Irgendwo zwischen The Smiths, Idles und The Cure machen sie Musik, die Punk als stabile Plattform für alle möglichen Arten von musikalisch-nautischen Fortbewegungsmitteln machen.

Von poppigen Dampfern bis zu rockigen Yachten findet sich in diesem musikalischen Seemannsgarn eine Menge Substanz, die sich erst nach mehrmaligem Anhören erschließt.

Die Songs beginnen auf „For Love Of Grace And The Hereafter“ in der Regel mit einem simplen Beat, punk-typisch ausgepeitscht und spaßig anzuhören. Die anderen Instrumente und der charakteristische Gesang von Rønnenfelt reihen sich dann lieb und brav ins Glied ein. Die Musik plätschert mit der gemächlichen Geschwindigkeit eines Schubleichters beim Einfahren in den Heimathafen.

Und dann: Misstöne. Falsch gespielte Hooks. Genuschelte Worte. Das passt nicht in die Flussrichtung. Immer wieder bricht ein Song in der Mitte, nur um in etwas völlig anderes zu überfließen. Der Rhythmus will nicht stimmen. Man denkt sich: Hier spielen Leichtmatrosen.

Schließlich merkt man, dass hinter dem scheinbaren Chaos ein schicker Plan steckt: Diese Band nutzt erst wohlgefällige Melodien wie ein trojanisches Kriegsschiff, nur um dann mit der Macht einer ganzen Seemannsmeute auf unsere Gehörgänge einzustürmen.

Die Taktik geht auf. Die Brüche und vermeintlichen Verspieler sind Stolpersteine, an denen wir uns das Ohr stoßen, kurz fluchen und dann erst so richtig zuhören.

Unperfektsein wird zur Methode, an der sich zeigt, dass echte Tiefe erst dann entsteht, wenn eine Band sich ihre Ecken und Kanten noch nicht unter laufendem Wasser abgerubbelt hat.

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