Josiah Leming wurde vom American Idol Teilnehmer, der trotz frühem Ausscheidens mit einem Majorlabel-Deal bedacht wurde, zum Independent Star der US-amerikanischen Folk- und Americana-Szene Josiah And The Bonnevilles.

Der aus dem ländlichen Tennessee stammende Musiker wurde schon früh mit den Härten des Lebens konfrontiert. Diese haben sein introspektives Songwriting geprägt, das – kombiniert mit seiner brüchigen und doch warmen klingenden Stimme – zum gefühlsintensiven Songkosmos wird.

Auch bei „As Is“, dem neuesten Longplayer, kombiniert Josiah Melancholie mit gnadenloser Selbstreflektion. Daraus formt er ein Storytelling vom Leben, das stets genug, aber nie ausreichend ist („Good Boy“), vom Mädchen erzählt, das gnadenlos Herzen bricht („Carolina Heart“) oder die innere Leere thematisiert, die nach einer Beziehung einzieht („Hell Without The Flames“).

„As Is“ lebt von dieser innigen Verbindung aus Storytelling und intensiver Instrumentierung. So galoppiert „Going Gone“ im Stromgitarrenduett um die Wette, bringt Josiah sägende Streicher mit dem Piano auf „One Day At A Time“ zusammen und lässt auch das Banjo noch mit teilhaben.

Ruhig im Folk verweilend prägt sich „Youth And Dreams“ mit mehrstimmigem Chorus und Josiah Lemings Stimme ein. Dafür gemacht, Melancholie zu transportieren, wirkt sein Organ kratzig, berührt oft brüchig und doch eindringlich.

So wie etwa beim wunderschönen „Where It Starts“, das eine klassische Herzschmerzgeschichte in uramerikanischer Weise erzählt, dabei dem akustischen Folk treu bleibt, um Lemings erzählerische Stimme immer wieder ins nasal kehlige Vibrato wechseln zu lassen, während er von gebrochenen Herzen und Schlägereien in Bars berichtet, die von einem stimmigen Refrain unterbrochen zu einem Highlight des Albums werden.

Dieses ‚Uramerikanische‘ pulsiert durch die Musik von „Mountain Girl“, das banjo-infiziert den Rhythmus lebt und „Redline“s thematisiertes, lebensveränderndes Gefühlshoch zwischen folkigem Schwof und Lemings erzählerischer Weise versumpfen lässt.

Diese Erzählung wechselt in Bob Dylan’sche Wortklauberei und Lebensphilosophie beim Titeltrack „As Is“, der das Album gleichzeitig beschließt.

Ein Album, das Folk und Americana modern und doch klassisch präsentiert. Der starke Ausdruck von Lemings Gesang und seiner reflektierten, sympathischen Geschichten berührt sehr und begeistert mit dem Tiefgang von „Redline“ ebenso wie mit der schon poppigen Leichtigkeit eines „Carolina Heart“.

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