Der Name steht wie ein Markenzeichen für tiefenentspannten Slacker-Indie-Sound: Das Klangbild jedes neuen Kurt-Vile-Albums kann man sich zu 90 Prozent ausmalen, bevor auch nur ein Ton erklungen ist.

Auch seine mittlerweile neunte Platte „Philadelphia’s Been Good To Me“ knüpft genau dort an, geht sogar noch einen Schritt zurück. Die Songs entstanden aus Home-Recordings, die Vile auch in Eigenregie ausproduzierte.

Alles klingt noch einen Tick unpolierter, schrammeliger und allgemein weniger geplant als noch beim Vorgänger „(watch my moves)“ von 2022. Gleich geblieben sind das sommerlich-luftige Gefühl von akustischer Wärme und der windschiefe Gesang, der wieder einmal nach Poetry-Slam auf Hasch-Keksen klingt.

Die Vorab-Single „Chance To Bleed“ könnte da schon als Täuschungsversuch gesehen werden, da die dichte Instrumentierung, die vielen schrägen Gitarren-Licks und die Mitsing-Einwürfe den falschen Eindruck von Aufregung vermittelt – zumindest am Rest von Viles Diskografie gemessen.

Der größere Etikettenschwindel ist eigentlich nur, dass der Track „99 BPM“ nicht annähernd 99 BPM hat. Schon verziehen, also Schwindel beiseite:

„Philadelphia’s Been Good To Me“ hat das Potenzial zu spalten. Zwar liefert es Fans 12 maximal unbeschwerte Songs, also genau das, worauf es ihnen ankommt. Andererseits dürfte die Geduld auch einiger Alteingesessener in die Knie gezwungen werden.

„This is the 99th song on my red looper / the last track thats possible / before the software explodes / the main frame of my memory / from my brain, but also my pedal“. So amüsant die Vorstellung der explodierenden Effektpedale auch sein mag – dass sie ganze zehn Minuten lang in repetitiven Zeilen ausgekostet wird, ist schon hart durchzustehen.

Das direkt anschließende „Red Room Dub“ bietet in drei recht kurzweiligen Minuten instrumentales Kontrastprogramm. Großartig spannender wird es aber auch hier nicht mehr.

Vielleicht geht da sogar beim aufmerksamen Hören unter, dass die Darstellungen von Viles Heimatstadt auch nicht ausschließlich romantisierend sind: „There’s the river that’s polluted as hell / but it runs in my town“, heißt es im elektronisch fließenden „Philly’s Been Good To Me“.

Ist aber auch eigentlich egal. Am Ende wird schon alles gut, zumindest wenn man die Dinge betrachtet wie Kurt Vile – das Sinnbild der Unbeschwertheit.

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