Bands verändern sich mit den Jahren. Die Wandlungen der slowenischen Industrial-Institution Laibach waren jedoch schon seit ihrer Gründung so konstant wie extrem. Die Zeiten, in denen die Musiker*innen mit Mikrofonen durch Fabriken gelaufen sind und diese Feldstudien auf der Bühne präsentierten, sind jedoch lange vorbei.
Genauso auch ihre Phasen des Gothic-Techno, der Pop-Cover (zumindest größtenteils) und der Theatermusik. Was man im 47. Jahr des Bandbestehens von einem Laibach-Konzert zu erwarten hat, bleibt also ein gewisses Ratespiel. Nur die Provokation ist vorhersehbar.
„This is not entertainment. This is an interface. Your behaviour will be monitored“, verkündet eine Computerstimme gestern Abend zu Konzertbeginn. Die zu diesem Zeitpunkt recht leere Kölner Essigfabrik füllt sich mit den letzten grimmig dreinblickenden Nachzüglern.
Die Dichte des Publikums täuscht gut darüber hinweg, dass die Halle nur zur Hälfte ausgelastet ist. „Wer außer uns interessiert sich denn auch schon für diese Band“, kommentiert ein Fan der ersten Stunde in Richtung seiner Begleitung.
Zumindest die Erwartungen solcher Ultras scheinen Laibach zu kennen. Allerdings haben die Slowenen auch kein Problem damit zu enttäuschen. Nach einigen Songs vom neuen Album „MUSICK“ und einem Serge-Gainsbourg-Cover („Love On The Beat“) spielen sie ihren ersten Mega-Hit: Das laut umjubelte „Tanz Mit Laibach“ vom 2003er Album „WAT“, das sie jedoch schon nach dem ersten Refrain aufbrechen.
Es folgt ein minutenlanges Medley ihrer bekannteren Stücke, jedoch als stark verfremdeter Remix. Weitere große Hits stehen nicht mehr auf der Setliste, dafür aber „MUSIK“ in Gänze. Maximalistischer Synth-Pop trifft nun auf lärmende Klangexperimente, gelegentlich grätscht aber auch eine kurze Noise-Rock-Abreibung in das plastikhafte Soundbild.
Das Publikum bleibt weitestgehend starr. Einzelne lassen sich vom Rave-Gefühl mitziehen, allerdings laufen ihre Tanz-Moves eher auf kleiner Flamme.
Da Frontmann Milan Fras auch nicht mehr der Jüngste ist, beschränken sich seine Showeinlagen darauf, dass er einige Schritte vor und zurück tigert, dazwischen theatralisch ins Mikrofon raspelt und gelegentlich die Bühne verlässt.
Zwei Tänzerinnen gleichen das aus, was der Band (zumindest auf der Bühne) fehlt: Bewegung, Elan, Witz. Sie animieren vorm neuen „Allgorhythm“ humorvoll zum Tanzen, posieren ironisch und unterstützen das Programm durch passende Kostümwechsel.
Auch die hyperaktive Videoshow peppt die Sache auf. Über sie nehmen zahlreichen Feature-Gäste virtuell am Auftritt teil. Dazwischen spiegeln Fragmente von Musikvideos, provokante Parolen und Textzeilen sowie groteske Animationen in schnellen Wechsel eines der Haupt-Themen von „MUSICK“ wider: Den Horror der digitalisierten Welt.
Gegen Ende kehrt die Computerstimme zurück und wiederholt die Eingangszitate. Durch starke glitches und Verzerrung klingen sie dieses Mal sogar noch bedrohlicher.
Eine Art Krautrock-Jam leitet in den ostentativ KI-thematisierenden Song „Das göttliche Kind“ über; die Tänzerinnen betreten die Bühne mit pelzigen Armstelzen und verlieren sich in animalistischem Ausdruckstanz.
Nach zwei Zugaben lassen sich Laibach noch kurz feiern, während über die Videoleinwand ein Abspann alle Beteiligten auf und hinter der Bühne auflistet. Dabei huscht sogar den griesgrämigen Musiker*innen ein Lächeln über die Gesichter.






