beabadoobees hat heute ihre neue Single „Sun Has Set“ veröffentlicht. Sie stammt von ihrem vierten Studioalbum „Pylon“, das am 18. September 2026 via Dirty Hit / Interscope erscheint.
Es gibt Songs, die als Tagebucheinträge beginnen – als Sätze, von denen man glaubt, sie niemals laut aussprechen zu können. Genau aus solchem Material hat beabadoobee ihr neues Album geformt: „Pylon“ folgt auf den UK-Nummer-eins-Erfolg „This Is How Tomorrow Moves“ von 2024, das laut MusikBlog-Review mit der fragilen Oberflächenspannung zwischen Indie- und Pop-Musik spielte.
Der Titel des neuen Albums ist klug gewählt. Benannt ist „Pylon“ nach den Strommasten, die jede Hauptverkehrsader der Welt säumen – jene schlanken Konstruktionen, die Beatrice Laus, wie beabadoobee bürgerlich heißt, während endloser Tourneen an ihre Verbindung zu Freund*innen und Familie erinnerten, während sie zugleich mit Entfremdung und Isolation kämpfte.
Gleichzeitig steht der Mast für den neuen, kantigeren Sound – die Indie-Karriere-Option, die unser letzter Album-Review vorhersagte: Wellen der Verzerrung brechen über die 14 Songs herein und imitieren jenes Knistern, das man unter Hochspannungsleitungen hört.
Und schließlich grundiert er die großen Fragen aller Mitte-Zwanziger (zu denen auch beabadoobee gehört), die das Album umkreist: Was, wenn ich immer so bleibe? Was, wenn das Leben nur aus einem Strommast nach dem anderen besteht?
Auf „Pylon“ versammelt sich die halbe Indie-Prominenz: Hayley Williams singt auf „Nothing To Prove“, Turnstile-Sänger Brendan Yates steuerte eine Strophe zu „Powerlines“ bei, dazu gesellen sich Chino Moreno (Deftones), Evan Stephens Hall (Pinegrove) und Shane Moran (Title Fight). Bei „Write Me A Letter“ saßen schließlich Matty Healy und George Daniel von The 1975 am Pult.
Die erste Single „Sun Has Set“ zeigt beabadoobee von ihrer schonungslosen Seite. „Dieser Song hat diese kleinliche Engstirnigkeit – es ist so: Ich hasse dich. Du wirst hierbleiben und dir anhören, wie sehr ich dich hasse. Weil ich das nie sagen durfte“, erklärt sie.
Klanglich greift beabadoobee tief in die Kiste reiner Rockmusik: klassischer Grunge, Midwest-Emo und Radio-Rock der Neunziger, härter und direkter als je zuvor.
Das dazugehörige Video aus der Ich-Perspektive stammt von ihrem Partner und langjährigen visuellen Mitstreiter Jake Erland – und es macht der wütenden Energie des Songs alle Ehre.
Zunächst sieht man beabadoobee in einem Motelzimmer, wie sie um sich wirft und Gegenstände durch den Raum schleudert, ehe sie draußen die Scheiben eines Autos zertrümmert. Später steigt sie hinten aus einem Polizeiwagen, läuft über eine weite Wiese und legt sich schließlich erschöpft ins Gras – als hätte sich der ganze aufgestaute Groll endlich verausgabt.
